Die Stadt, der Staub und die Hausfrau
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bzw. die Unfinanzierbarkeit von Hauspersonal erforderten dringend eineErleichterung der Hausarbeit. Den Rationalisierungsbestrebungen fiel allerüberflüssige Ballast zum Opfer. Nicht zuletzt galt der Kampf dem unnöti-gen Staubwischen, und dies verlangte nach leicht zu pflegenden Woh-nungseinrichtungen und modernen Hilfsmitteln zur Staubbeseitigung. DieParole lautete: die Frau darf nicht weiterhin zum Staubwischen versklavtwerden.70
Sonne und Licht galten als eine Grundvoraussetzung gesunden Woh-nens. Als willkommener Nebeneffekt einer lichtdurchfluteten Wohnungwurde die Tatsache gesehen, daß in einer hellen Wohnung Schmutz undStaub leichter aufspürbar sind. Manche Ratgeber und Hygienehandbücherempfahlen sogar, in den durch das Fenster einfallenden Lichtstrahlen denStaub zu beobachten, um sich bewußt zu werden, wie erfüllt die Luft vonStaub ist. In der Forderung nach Licht und Luft und dem Ruf nach Entfer-nung schwerer Vorhänge war ein gewisser Widerspruch zu dem Bedürfnisaufgetreten, die Außenwelt nicht zuletzt aus hygienischen Gründen-auszuschließen und abzuwehren. Einerseits wurde aus hygienischen Grün-den gefordert, sich gegen die Außenwelt abzuschotten, andererseits solltenaus hygienischen Gründen die Wohnungen geöffnet werden, um Sonneund frische Luft hereinzulassen die Luft brachte aber nicht nur Sauer-stoff, sondern auch Staub herein. Für die Hausfrau ergab sich daraus dieschwierige Aufgabe, einen praktikablen Mittelweg zu finden. Die Präfe-renzen waren jedoch bald klar:„ Sie wird sich ferner von allem Vorhänge-wesen befreien müssen, das der Sonne den Eintritt verwehrt. Gewiß möch-te man häufig einen Vorhang zwischen sich und die Außenwelt aus denverschiedensten Anlässen ziehen[...] aber für die Dauer sollte man Luftund Sonne den Eingang nie verwehren".71 Zur Wahrung hygienischerZustände gab es ja neue technische Hilfsmittel wie den Staubsauger, derden Staub so jedenfalls die Werbung- ohne Mühe und im Nu gründ-lich entferne.
Die zunehmende Angst vor dem Schmutz in den Städten, die großeSorge um die Hygiene der Städte geht mit der durch die Urbanisierungs-prozesse entstandenen Ängste der Menschen Hand in Hand: soziale Unsi-cherheit, Instabilität der Lebens-, Arbeits- und Wohnverhältnisse und zahl-reiche andere Probleme waren die Folgen der Umwälzungen in sämtlichenLebensbereichen. Reinlichkeitsforderungen können als Regeln der Gefah-renvermeidung72 interpretiert werden. Reinigen und säubern heißt ordnen,