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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Walter Benjamin- der Flaneur in der Urbanität der Moderne

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dann wiederum komprimiert kulturelle Zusammenhänge aufzeigten. SeinLebenswerk war der Versuch, durch die Analyse einer Vielzahl scheinbaroberflächlicher Vorgänge die kapitalistische Warenwelt aufzuzeigen, denCharakter des Kapitalismus und damit auch des Faschismus durchsichtigzu machen. Und das war anhand der großen Städte wohl am ehesten mög-lich.

Vorherrschend geprägt wurde Benjamins Blick auf die Großstadt durchseine Beschäftigung mit der Lyrik von Charles Baudelaire. Baudelaire giltals der erste Großstadtdichter, der in den Straßen von Paris seine Motivefand. Ebenso prägend waren Marcel Proust und Victor Hugo.

Städte, Großstädte lernte Benjamin im Zuge seiner Reisetätigkeit ken-nen. Daraus entstanden die Städtebilder, kaleidoskopartige Montagenaus mikroskopischen Impressionen und Beobachtungen. Ihn fasziniertendie Stimmungsbilder, deren Charakteristik von Stadt zu Stadt sehr unter-schiedlich war. In jeder Stadt unternahm er ausgedehnte Rundgänge, die erals ,, Entdeckungsgänge in eine bislang unbekannte Welt bezeichnete. Eswar die Hinwendung zum autonomen Denken, wie er es bezeichnete, zumZurechtfinden im Labyrinth geschichtlicher Gegenwart ohne Hausnum-mern. Hier ein kleines Beispiel aus seinem Essay über Neapel aus denfrühen zwanziger Jahren. Zwei Begriffe lassen die Zugangsweise Benja-mins zur Metropole deutlich werden., Porösität und, Durchdringung.

,, Porös wie dieses Gestein ist die Architektur. Bau und Aktion gehen inHöfen, Arkaden und Treppen ineinander über. In allen wahrt man denSpielraum, der es befähigt, Schauplatz neuer, unvorhergesehener Konstel-lationen zu werden. Man meidet das Definitive, Geprägte. Keine Situationerscheint so, wie sie ist, für immer gedacht, keine Gestalt behauptet ihr, sound nicht anders'. So kommt die Architektur, dieses bündigste Stück derGemeinschaftsrhythmik, hier zustande. Zivilisiert, privat und rangiert nurin den großen Hotel- und Speicherbauten der Kais- anarchisch, ver-schlungen, dörflerisch im Zentrum, in das man vor vierzig Jahren großeStraßenzüge erst hineingehauen hat. Und nur in diesen ist das Haus im nor-dischen Sinn die Zelle der Stadtarchitektur. Dagegen ist es im Innern derHäuserblock, wie er, als sei es mit eisernen Klammern, an seinen Eckenzusammengehalten ist durch die Wandbilder der Madonna. Niemand ori-entiert sich an Hausnummern. Läden, Brunnen und Kirchen geben dieAnhaltspunkte.(...) Ausgeteilt, porös und durchsetzt ist das Privatleben.(...) Jede private Haltung und Verrichtung wird durchflutet von Strömen