Wie es den Volkskundlern bei den Stadtleuten erging
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Otto Bauer, die Warnung vor einer„ Verdorfung Wiens" laut gewordenist.26
Bei dieser Verschiebung der kulturellen Tektonik Österreichs, durch diedas großstädtische Kulturmuster Schlagwort:' Die Wiener Moderne'-unter den Druck der hiesigen Spielart einer auf Bodenverwurzelung undAntiurbanismus setzenden konservativen Revolution 27 geriet, hat dieVolkskunde bekanntlich ihre Rolle gut gespielt. Volkskunde hat sich demkulturpolitischen mainstream eingefügt, denn nicht nur war sie in ihrernoch marginalen akademischen Position 28 auf diesen Legitimationsbonusangewiesen, sie war dazu auch von ihrer heuristischen Anlage her prä-destiniert: Zumindest für die Bedürfnisse einer nationalen Traditions-produktion auf volkskultureller Grundlage stand sie gewissermaßen aufder Höhe ihrer Zeit. Unter der Prämisse eines unverbindlich- allgemein ein-setzbaren Konzeptes von„ Gemeinschaft" etwa konnte praktisch jedeGleichung aufgehen: Jenen„ volkstümlich- vulgushaften Zustand” konnteman schließlich nicht nur im Dorf finden, um„ diesen Zustand oder dasFehlen dieses Zustandes festzustellen", konnte sich die Volkskunde auch,, aus dem Bauernland in die Industriebezirke und in die moderne Stadt auf-machen", um hier alle Äußerungen des kulturellen Lebens auf ihreGemeinschaftsgebundenheit hin anzusehen" 29.
Freilich, im Gebrauch solchen höchst disponiblen erkenntnisleitendenWerkzeugs stand die österreichische Volkskunde seinerzeit nicht allein.Auch jenseits der geographischen und fachlichen Grenzen war man daraufeingeschworen. Um gar nicht zu reden von den einschlägigen Definitionendes volkskundlichen Objekts, wie sie vor allem aus Deutschland, dem,, Land der Theoretiker unserer Wissenschaft" 30, herüberklangen, soll hiernur an Vorgaben aus anderen Disziplinen erinnert werden, an Durkheims,, mechanische Solidarität" oder an Redfields ,, folk society" beispielsweise.Und ob solche Konzepte bewußt oder gleichsam osmotisch rezipiert wor-den sind gefolgt ist man ihnen jedenfalls: Was etwa Tönnies, dessenRezeptionsgeschichte in der Volkskunde ja bereits bekannt ist31, idealty-pisch und als Klassifikationshilfe postuliert hat, ist von den Volkskundlernrealiter gesucht worden auch in der Stadt, die in solcherart selektiverOptik mit Notwendigkeit höchstens zum Forschungsfeld, nicht aber zumForschungsgegenstand gemacht wurde. So ist, um mich der bekanntenOpposition von Ulf Hannerz, die hier angeklungen ist, weiter zu bedienen,festzustellen, daß diese frühe Volkskunde, von der ich spreche, nur