Wie es den Volkskundlern bei den Stadtleuten erging
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Wenn der„, anti- urbane Zug der volkskundlichen Großstadtfor-schung" 14, von dem Rolf Lindner gesprochen hat, auch in Österreich fach-historisch konstatiert wird, so hat das seine Berechtigung; daß er beklagtwird, ist verständlich; daß damit allerdings noch wenig erklärt ist, liegt aufder Hand. Und vielleicht gibt es hier auch wenig zu erklären, zumindest fürdie hier ins Auge gefaßte Zwischenkriegszeit, in die nicht nur dieAbfassung der lange Zeit unpubliziert gebliebenen ,, Wiener Volkskunde",sondern auch die Vorarbeiten zu Commendas Werk fallen. Denn zuvor-derst hat man sich ja banal genug in Erinnerung zu rufen, daß es hier-zulande in diesem neu entstandenen„ Rest" der Habsburgermonarchienamens Österreich für einen großstadtvolkskundlichen Betrieb kaum eineVoraussetzung gegeben hat, daß hier mit Ausnahme Wiens schlichtFeld und Gegenstand gefehlt haben. Wenn Schmidt dieses Wien, die einzi-ge Großstadt im Österreich der 1. Republik, in seiner ,, Volkskunde" heuri-stisch gleichsam„, verländlicht", das heißt sie„ mit solchen Kategorien zuerfassen( sucht), die für die ländlichen Gebiete bereits gefunden und dortals volkskundlich ergiebig eingeschätzt worden waren" 15, dann liegt in die-sem seinem fachlichen Zugriff eine gewisse Konsequenz. Und es interes-siert weniger, daß mit ihm notwendigerweise als wissenschaftlichesErgebnis nur guter alter volkskundlicher Kanon, gewürzt mit so manchemSeitenblick auf seinerzeit tatsächlich im Fach noch kaum Beachtetes zuTage gefördert wurde vielmehr interessiert diese angesprochene per-spektivische Verschiebung selbst. Sie korrespondierte und damit ist einspezifisch ,, österreichischer" Aspekt( groß) volkskundlichen Betriebs ange-sprochen mit einer hierzulande charakteristischen Zentrum- Peripherie-Dichotomie, mit jener Polarität des kulturellen Feldes, von der die ErsteRepublik seit ihren Anfängen geprägt gewesen ist. Von ihr ist die fachspe-zifische Etablierung der Volkskunde nicht unberührt geblieben und sie hatsich ― und auch das hatte Auswirkungen auf das Fach mit der weite-ren politischen Entwicklung nicht nur vertieft, sondern einseitig ausge-richtet.
Diese Polarität hatte zunächst ganz reale Gründe. Präformiert war sieallein schon durch die verwaltungstechnische„ Verländerung” 16 Öster-reichs ab 1918 also die Ablöse der früheren Zentralverwaltung, wie siesich etwa in der Einsetzung eines Landespolitikers als Landeshauptmannan Stelle des kaiserlicherseits eingesetzten Statthalters manifestierte. Und