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Gertraud Liesenfeld
Pferden mit Papierblumen durch die Fuhrwerkskutscher als sichtbaresZeichen des Faschingsendes gewichen sei. Ebenso sei die„ Einsegnung mitdem Aschenkreuz" am Aschermittwoch im Schwinden und würde nurmehr vom„, kirchengläubigen Kleinbürgertum“ fallweise gewünscht. Diebereits für das 15. Jahrhundert bezeugten, ab dem 18. Jahrhundert mitMarmelade gefüllten und im Jahr des Wiener Kongresses acht bis zehnMillionen Stück erzeugten Faschingskrapfen hingegen wären noch allge-mein üblich, allerdings habe sich die vormärzliche Wiener Sitte,„ auf einenKrapfen“ eingeladen zu werden, wohl überlebt.28
Ganz ähnlich Hans Commenda, allerdings minutiöser: Auch in Linzspiele seit jeher die Faschingszeit eine besondere Rolle, wobei im 18.Jahrhundert der Adel mit seinen Haus- und Maskenbällen, oftmals auchaufgelockert durch Balettdarbietungen, Singspiele und Theaterszenen, vor-bildhaft für eine Vielzahl von Lustbarkeiten gewesen wäre. Mit der Öff-nung der adeligen Veranstaltungen für das Bürgertum im beginnenden 19.Jahrhundert müsse den Linzern schließlich das Attest eines„ tanzlustigenVölkchens" 29 ausgestellt werden. Denn neben den Theaterredouten,Masken- und Garnisonsbällen würden sich die diversen Kränzchen derVereine, die zahllosen Hausbälle in Gasthöfen und Familien sowie die ein-zelner Berufsstände wie jene der Fiaker immer größerer Beliebtheit erfreu-en. Eine Besonderheit für Linz wären die Veranstaltungen der„ LiedertafelFrohsinn", die ab den 1870er Jahren bis knapp nach dem 1. Weltkrieg all-jährlich am Faschingssamstag einen Straßenumzug abhielten, gepaart mitder Aufführung einer parodistischen Oper vor verkleideten Zuschauern,mit einem Kostümball und mit dem Verlesen einer Faschingszeitung.Derartige terminfixierte Satireblätter gäbe es bereits seit der Mitte des 19.Jahrhunderts namentlich hervorgehoben werden die„ Laus“, der,, Spottvogel" von 1910 und„ Die lustigen Mühlviertler" aus dem Jahre1948. Stets Saison hätte in der Faschingszeit das Krapfenessen gehabt: Sowären vor dem ersten Weltkrieg von der Konditorei Rupp in den heiligendrei Faschingtagen sogar über 12.000„ Glaskrapfen", also die mitMarmelade gefüllten Schmalzgebäcke, verkauft worden. Der Verzehr vonKrapfen in großen Mengen- und hier wendet sich Commenda schließlichder Gegenwart zu- sei immer noch üblich, am Aschermittwoch aller-dings auch in der ungefüllten Form als Fastenkrapfen. Darüberhinaus klin-ge der Linzer Fasching nunmehr mit Heringsschmaus und Aschenkreuzaus.30