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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Thomas Hengartner

Wegmarken der Wissenschaftsgeschichte sind leicht mit bloßer Erwäh-nung abzutun oder aber fordern zu ausführlicher Würdigung heraus. Ichversuche, beidem zu entgehen und mich auf eine knappe Charakteristik zubeschränken:

Commendas Darlegungen erheben inhaltlich den Anspruch, eineBestandsaufnahme des Linzer Alltagslebens in Vergangenheit und Gegen-wart zu präsentieren; vom Methodischen her sind sie wenigstens nomi-nell einem weiten, interdisziplinär ausgreifenden, gegenwartsvolks-kundlichen Fachverständnis verpflichtet. Diese Absicht, noch zugespitzt inder Forderung ,,, im Gegenwärtigen(...) auch Züge des Eigenlebens undAnsätze des Künftigen zu finden", wird indessen weder im ausführlichenzweibändigen Hauptwerk Commendas noch in den teilweise rechtumfangreichen Vorarbeiten dazu überzeugend eingelöst. Trotz Berück-sichtigung geographischer',( sozio-) ökonomischer und demographischerGrunddaten dominiert eine biologistisch- evolutionistische, gemeinschafts-zentrierte, an Riehl und Naumann orientierte Optik, die im Kern auf dieDarstellung der Kontinuität ländlicher Lebensformen ausgerichtet ist.10Die Stadt stellt für Commenda im wesentlichen ein geschichtlich gewor-denes Wesen von ausgeprägter Persönlichkeit" dar. Urbanes Dasein istbestimmt als, höhere Gemeinschaft und setzt sich aus einer Vielfalt vonGemeinschaften" zusammen. 12 Menschen werden innerhalb dieser Stadt-persönlichkeit anhand ,, innerer und natürlicher Vorgaben geprägt- dieda wären ,, Arterhaltungstrieb, Erkenntnistrieb, Gesetze des Werdensund Vergehens❝13, sodaß Urgemeinschaftliches" in angepaẞter, um- undauch neugestalteter, von anderen Quellen gespeister Form weiterlebt undneben neugewachsene, selbständige Gemeinschaften tritt.14

Konkret beschränkt sich Commenda für seine Darstellung der LinzerVolkskultur allerdings weitgehend auf eine nur wenig kommentierte undkaum interpretierende Kompilation von unterschiedlichen Quellen aus ver-schiedenen zeitlichen Schichten. 15 Spezifisch Urbanes bleibt bei dieserSichtweise weitgehend außen vor und es entsteht in weiten Teilen der Ein-druck einer ,, Sommerfrischen- Volkskultur" 16- ein Vorwurf, den Leopold

Schmidt 1953 an die Stadtvolkskunde gerichtet hatte. Die Ausführungenzur Sachkultur beschränken sich beispielsweise hauptsächlich auf die Dar-stellung von, schönen Dingen" wie Goldhaube und Tracht, Haussegens-bilder und bemalte Einfahrtstore, die im Gegensatz zu den Realitäten