KARL R. WERNHART
Gegenständen und Kleidung einen breiten Raum ein, der schon seit den Tagen derEtablierung der Fächer gegeben ist. Hat man früher ausschließlich dem durch Ähnlich-keitsbezug und Häufigkeit des Auftretens vermuteten hohen Alter eines Objektes seineAufmerksamkeit zugewandt, so sind seit den sechziger und siebziger Jahren unseresJahrhunderts mehr die gesellschaftlichen Bezugspunkte in den Vordergrund gerückt.Jedes Objekt hat seine ihm spezifische Geschichte, ist in Zeit und Raum seinerEntstehung und Nutzung eingebettet, und ist als Typus im gesellschaftlichen, wirt-schaftlichen wie transzendenten Umfeld etabliert; sein Erscheinungsbild unterliegt denVeränderungen, ausgelöst durch gesellschaftspolitische Fakten, durch Technisierungbzw. Weiterentwicklung. Dieser Prozeß des Kulturwandels ist mittels historischerArbeitsweise nachzuzeichnen. Von dieser Voraussetzung ausgehend und die vorange-stellten allgemeinen Überlegungen berücksichtigend, ist es verständlich, daß auch derVersuch einer Verbesserung einer holistisch diskursiven wie auch historisch- dynami-schen Interpretation anzustreben ist, die den Gegenwartserfordernissen modernerTheorie- und Methodenansätze entspricht und ebenso auch Zukunftsperspektivenaufweist. Ob bei Haus-, Geräte- oder Kleiderforschung 10, immer steht der Mensch bzw.die Gruppe oder die Sozietät im Bezug zum Objekt; die vermeintliche Verständigungs-barriere zwischen Forschern und Erforschten ist zu überwinden". Daher wurde unterEinfluß des sozialwissenschaftlichen Forschungsansatzes und-verständnisses das,, Konzept des Ethnos und seiner kulturellen Manifestationen" 12 in Anlehnung an JürgenKocka13 entwickelt: die kulturellen Manifestationen einer Sozietät werden durch ihre
7 In der Ethnologie, Gräbner, Fritz: Methode der Ethnologie. Heidelberg 1911.
8 Vgl. Siuts, Heinrich: Geräteforschung; Böth, Gitta: Kleiderforschung. Beide Beiträge in: Grundriß der Volks-kunde( Hg. Brednich, Rolf W.). Berlin 1988, S. 137-152 und 153-169; vgl. Jürgensen, Frank( Hg.): Gegen-stände der Fremdheit, Museale Grenzgänge. Marburg 1989; vgl. Kaplan, Flora E. S.( Ed.): Museums and theMaking of ,, ourselves". The Role of Objects in National Identity. London 1994.
9 Wernhart, Karl R.: Bemerkungen zum Kulturwandel aus der Sicht der Ethnohistorie und Kulturgeschichte. In:Ethnohistorie und Kulturgeschichte( Hg. Wernhart, Karl R.). Wien- Köln 1986, S. 99–115.
10 Vgl. Anm. 8, und Baumhuber, Joachim Friedrich: Hausforschung. In: Grundriß der Volkskunde( Hg. Brednich,Rolf W.). Berlin 1988, S. 95-115; vgl. Moser, Oskar: Hundert Jahre Hausforschung in Österreich. In: ÖZV,Bd. 94. Wien 1991, S. 329-350; vgl. auch Wernhart, Karl R.: Ist Hausforschung heute aktuell? Gedanken ausAnlaß des Aufrufes zur Hausforschung vor 100 Jahren in der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. In:Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, Bd. 121. Wien 1991, S. 1-10.
11 Giordano, Christian: Bewegung ohne Verständigung? Zu Problemen des Mißverständnisses bei Prozessen derinterkulturellen Kommunikation. In: Transkulturelle Kommunikation und Weltgesellschaft. Zur Theorie undPragmatik globaler Interaktion( Hg. Reimann, Horst). Opladen 1992, S. 192-223, besonders S. 198.
12 Wernhart, Karl R.: Die Bedeutung des sozialwissenschaftlichen Ansatzes für Geschichtswissenschaft undEthnohistorie. In: Wiener Ethnohistorische Blätter, Heft 18. Wien 1979, S. 39-76.
13 Kocka, Jürgen: Sozialgeschichte- Strukturgeschichte- Gesellschaftsgeschichte(= Archiv für Sozialgeschich-te, Bd. 15). Tübingen 1975.
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