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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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DINGE UNSÄGLICH KULTIVIERT

Kunstwerke, Spiele, Mythen usw.- übt Kraft seiner Funktionsweise einen Lerneffektaus, der dazu beiträgt, den Erwerb von Dispositionen zu erleichtern, die für seineadäquate Verwendung notwendig sind." 33 Das solcherart entwickelte Habitus- Konzeptist der Ausgangspunkt der Sachanalyse in den, Feinen Unterschieden", in denenschichtspezifische Dispositionsschemata durchmustert und plausibel an Pantoffeln,Jacken, Möbeln und Autos erklärt werden. Bourdieu zeigt, daß auch in komplexenMarkt- und Konsumgesellschaften Prägungen über die materielle Kultur erfolgen-allerdings anders als in ,, einfachen Ethnien oder Knappheitsgesellschaften. Die Prä-gungen erfolgen, vermittelt über Dispositionsschemata und Geschmacksurteile, die mitder sozialen Position korrelieren und die in der Tat auf so etwas wie Milieumateriali-sationen hinauslaufen, Milieumaterialisationen, die ihrerseits wieder prägend unddispositionserzeugend auf Verhalten, Denken und Meinen wirken.

Wenn die Beziehungen zur Sachkultur heute in erster Linie konsumtiv, d.h. gebrau-chend, verwendend, nutzend und nicht produktiv, herstellend und fertigend sind, dann liegtdies sicher an den Produktionsapparaturen, die hochgradig vernetzt und systemisch ange-legt sind und den Charakter der Handgreiflichkeit und Materialbearbeitung nicht mehrkennen. Dieser Verlust an Hantierungsmöglichkeiten im Produktionsprozeß ist durchvielfältige Formen der bricolage und des do- it- yourself kompensiert worden, Tätigkeiten,die im breiten produktiv- konsumtiven Zwischenreich angesiedelt sind.34

Das Verhältnis Mensch- Sache unterliegt Veränderungen auch durch jenen Prozeß,der im französischen Modedenken als ,, Entmaterialisierung" beschrieben worden ist. 35Damit gemeint ist ein Vorgang, der ehemals materiell strukturierte Tätigkeiten durchimmaterielle Leistungen technisch verzahnter und verketteter Operationssysteme er-setzt wie etwa das Heizen, das ehemals den direkten Umgang mit Kohle oder Holzals Brennmaterial und den Ofen als Heizmaschine voraussetzte, heute jedoch nur nocheines Knopfdrucks oder einer klimatechnischen Fühlinstallation bedarf. Die Materie inihrer Fülle und Vielgestalt verschwindet zunächst aus dem Handlungsfeld, dann ausdem Blickfeld und wird substituiert durch eine rationalisierte Stofflichkeit, die unsereLebenswelten standardisiert und uniformiert. Von dem Kartoffelverarbeitungsunter-nehmen Pfanni war 1988 zu lesen, daß neben der ,, Straffung des Trockensortiments"

33 Ebd., S. 447( Anm. 42).

34 Vgl. dazu Hitzler, Ronald, Anne Honer: Reparatur und Repräsentation. Zur Inszenierung des Alltags durchDo- it- yourself. In: Soeffner, Hans Georg( Hg.): Kultur und Alltag. Göttingen 1988(= Soziale Welt, Sonderband6), S. 267-283.

35 Stichwortgeber war Jean- François Lyotard, der 1985 eine eindrucksvolle Ausstellung mit dem Titel ,, LesImmatériaux" im Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou veranstaltete und deren Konzept ineinem Album und in einem ,, Petit Journal" erläuterte: ,, Les Immateriaux". Paris 1985.

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