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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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DINGE UNSÄGLICH KULTIVIERT

und Dauerhaftigkeit: sie sorgt für Festigkeit im Wechsel der Handlungen und Gefühle.In ihrer Dauerhaftigkeit vermitteln Sachen konstante Erfahrungs- und Handlungsmu-ster, auch intergenerativ. Sie stellen kraft ihrer Materialität persistierende Wahrneh-mungs- und Hantierungsschablonen dar. Die Sachwelt ist die dem Menschen perIntention und Aktivität angepaẞte Welt. Artefakte, so hat es Hannah Arendt in ihrersensiblen Objekt- Anthropologie geschrieben, haben die Aufgabe ,,, menschliches Le-ben zu stabilisieren, und ihre, Objektivität liegt darin, daß sie der reißenden Ver-änderung des natürlichen Lebens... eine menschliche Selbigkeit darbieten, eine Iden-tität, die sich daraus herleitet, daß der gleiche Stuhl und der gleiche Tisch den jedenTag veränderten Menschen mit gleichbleibender Vertrautheit entgegenstehen". ,, Mitanderen Worten das," so Hannah Arendt ,,, was der Subjektivität des Menschen entge-gensteht, und woran sie sich mißt, ist die Objektivität, die Gegenständlichkeit der vonihm selbst hergestellten Welt".25

Augenscheinlich sind es die materiellen Eigenschaften, die den Sachen Dauer undStabilität verleihen. Sachen sind dem Subjekt ent- gegen- stehende, ob- jektive Zeichen,eben Gegenstände und Objekte, die vermittels ihrer Materialität Hantierungs- undSozialisierungsimpulse auszusenden imstande sind. In der Materialität kombinierensich Kraft und Stoff. Sachen bilden nicht nur ab, sondern sie formen auch, weil sie dasind. Sachen geben, wegen der in ihrer Materialität begründeten dauerhaften Existenz,Handlungsformen vor und dienen darüber hinaus zur Stabilisierung von sozialen undkulturellen Ordnungen. Ina- Maria Greverus hat die handlungsprägende Kraft dermateriell- stofflichen Kultur unter Rückgriff auf das behavior- setting- Konzept, welchesder ökologischen Psychologie entstammt, gründlich analysiert, die ,, environmentalfield forces" der Sachkultur herauspräpariert und auf ihre Bedeutung einerseits alshandlungsanweisende Objektivationen, andererseits als Materialisationen eines kultu-rerwünschten Handlungstyps verwiesen.26

Es war lange Zeit in ethnologischen und volkskundlichen Lokal- und Regionalun-tersuchungen die Regel, vor die Abhandlung von Sitte und Brauch, Religion undAberglauben, Sing- und Erzählstoffen die Darstellung der materiellen Kultur zu setzen,also über Haus und Hof, Möbel, Werkzeug und Kleidung Bericht zu geben, um derAnalyse der jeweiligen Kulturen und Ethnien eine stabile Grundlage zu geben. ,, DenMenschen durch die Dinge und in seiner Beziehung zu den Dingen zu erkennen, ist dasAnliegen der Volkskunde, so liest man in Richard Weiß' ,, Häuser und Landschaften

25 Arendt, Hannah: Vita activa oder: Vom tätigen Leben. München 1981, S. 125.

26 Greverus, Ina- Maria: Zur kulturanthropologischen Relevanz des Behavior- Setting- Konzepts. In: Kaminski,Gerhard( Hg.): Ordnung und Variabilität im Alltagsgeschehen, Göttingen- Toronto- Zürich 1985, S. 179–189.

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