PRESSBURGER UND WIENER VOLKSKUNDE
was ich machte, war, daß ich mich in die Bibliothek in der Laudongasse setzte undstudierte. Nach vielen Jahren eines schwierigen Zugangs zu den Büchern war ich gierignach der Fachliteratur. Allerdings, im Unterschied zu Ihren Erfahrungen, saß ich nichtin einem kalten Raum, wo vom Plafond eine einsame Lampe den Raum beleuchtete.Ganz im Gegenteil, ich war in einem warmen Leseraum mit gemütlichen alten Möbelnund einer angenehmen Atmosphäre. Außerdem hatte ich viel Gelegenheiten für Ge-spräche und interessante Begegnungen mit Kollegen und Kolleginnen im Museum undin dem damaligen Institut für Gegenwartsvolkskunde, was eigentlich unser Partnerin-stitut im Rahmen des Abkommens zwischen der Österreichischen und der Slowaki-schen Akademie der Wissenschaften war. Ihre ständige freundliche Bereitschaft zu Ratund Hilfe sparte mir viele Stunden mühsamer Suche nach der entsprechenden Literatur,und sie waren auch später hilfreich beim Anknüpfen von neuen Fachkontakten usw.
Die Bibliothek des Museums war eine richtige Schatztruhe für die ältere Literatur,natürlich auch für die moderne und speziell z.B. für französische ethnologischePublikationen. Zusammen mit den Beständen der volkskundlichen Bibliothek in derHanuschgasse hatte ich auf einmal Zugang zu vielen Publikationen der europäischenund amerikanischen Volkskunde/ Ethnologie.
S. K.: Was interessierte Sie damals am meisten?
G. K.: Ich stürzte mich auf die theoretischen und auch empirischen Publikationenüber kulturelle und ethnische/ nationale Identität, über Interethnik, weil wir im Institutein Forschungsprojekt zu diesem Thema hatten. Später kam auch das Thema Gedächt-nis oder Mentalitäten dazu. Ich entdeckte viele Arbeiten von Wirtschafts- und Sozial-historikern wie Philipe Ariès, Michel Vovelle, oder Michael Mitterauer für mich. Undich war den Arbeiten von Clifford Geertz verfallen.
Gleichzeitig versuchte ich mehr über die österreichische Volkskunde zu erfahren.Vor 1989 las ich eigentlich nur ein paar Studien von Helmut Fielhauer und hatte sonsteine sehr vage Vorstellung von der österreichischen Produktion. Durch die persönlichenKontakte ging dann alles wesentlich schneller und leichter. Die österreichischenArbeiten spielen heute für mich dieselbe Rolle wie jene von Kollegen/ innen ausanderen umliegenden Ländern etwa aus Tschechien, Polen oder Ungarn. Ohne diesevergleichenden Arbeiten würde ich weniger über eigene Forschungsmaterialien aus derSlowakei wissen.
S. K.: Die Kontakte zwischen Österreich und Slowakei, zwischen Kollegen/ innenaus beiden Ländern sind in der Gegenwart zu einer alltäglichen Sache geworden. Wannhaben Sie das bilaterale Projekt über die österreichisch- slowakischen Beziehungen ander March begonnen?
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