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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
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GABRIELA KILIÁNOVÁ UND SOÑA KOVAČEVIČOVÁ

sen Aufmerksamkeit. Schultes stellte Forschungen im österreichisch- slowakischenGrenzgebiet an. Er hielt den Verkehr der Arbeiter in den Dörfern fest, zeichnete auf,wieviele Slowaken zur Arbeit in die Dörfer des österreichischen Grenzgebiets gingen,wieviele Übergänge es über die March gab. Bei uns widmete man diesen Phänomenennur minimale Aufmerksamkeit. Wir wollten gar nicht wissen, daß solche Beziehungenzu Österreich bestanden hatten. Dabei denke ich, daß es sehr wichtig ist. Die Záhoraken⁹sind in manchem deshalb so charakteristisch, weil sie während langer historischerEpochen zu Niederösterreich inklinierten. Sie haben dort manches gelernt, unteranderem die Einführung von Maschinen, von neuen Bodenerzeugnissen- das hat unsder ethnographische Atlas auch gezeigt- und dann, was das schönste daran ist: sielernten ausgezeichnet kochen. Die Frauen aus Záhorie gingen oft als Köchinnen nachÖsterreich und brachten eine verfeinerte Küche und spezielle Kenntnisse im Servierender Gerichte mit. Als wir in Láb 1953 eine kollektive Forschung gemacht haben, dahaben wir es am eigenen Leib erfahren dürfen. 10 Das war so wunderbar, wie die Frauenüber alles Bescheid wußten, was sie uns da kochten. Was war das im Vergleich zu dem,was wir in der Ostslowakei oder in den Bergmannsdörfern in der zentralen Slowakeierlebten. Erdbeeren mit Schlagobers und Vanillezucker, das ist nur so eine Kleinigkeit,nicht war? Creme und Schoko, Strudel verschiedener Arten... Záhorie, das bedeutetenicht nur den Export von Gemüse, wie es unsere Historiographie behauptet... Ganzund gar nicht! Im Gegenteil, der gemeinsame Umgang war wichtig.

G. K.: Und an alle Ihre Arbeiten sowie an die Arbeiten von Schultes, Fielhauerund anderen haben wir dann nach 1989 mit den österreichischen Kollegen und Kolle-ginnen angeknüpft, als man mit der Forschung von Záhorie und Niederösterreichwieder begonnen hat.

Doch ich möchte auch zuerst auf den Winter 1989 und das Frühjahr 1990zurückblicken, als ich den österreichischen Kollegen und Kolleginnen zum ersten Malbegegnet bin. Es ist erstaunlich, daß ich wie Sie fast denselben Weg ging. Das erste,

9 Die Einwohner aus Záhorie, die Region in der südwestlichen Slowakei, heute an der Grenze zu Österreich undder Tschechischen Republik.

10 Das Institut für Ethnologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften( zu der Zeit Institut für VolkskundeSAW) organisierte im Jahre 1953 eine kollektive Forschung der Volkskultur und der Lebensweise im Dorf Láb, inder Region Záhorie. Die Forschungsaktion war ein Teil eines größeren Projekts der Erforschung der Genossen-schaftsdörfer in der Slowakei, das das Institut für Volkskunde 1951 in vier Dörfern startete: in der West-( Láb),Zentral-( Závadka nad Hronom), Ost-( Vel' Zalužice) und Nordslowakei( Bijacovce). Zahlreiche Materialien ausdiesen Feldforschungen befinden sich im Archiv des Instituts. Siehe: Podolák, Ján: K doterajším výsledkomnárodopisného výskumu družstevnej dediny na Slovensku( Zu den bisherigen Ergebnissen der ethnographischenForschung des Genossenschaftsdorfes in der Slowakei). In: Slovenský národopis 3( 1955), S. 268–277.

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