DER WIEDERBEGINN DER VOLKSKUNDE IN MÜNCHEN
Volkskunde weiter als Tochterdisziplin im eigenen Bereich bewahren. Als einige Jahrespäter Josef Hanika als Professor an die Universität gezogen wurde, erfolgte seineAngliederung an die Germanistik. Erst seinem Nachfolger Leopold Kretzenbacher istes gelungen, eine klare Trennung von der Germanistik zu vollziehen und Volkskundeselbständig zu etablieren.
Kriẞ blieb Honorarprofessor und zog sich nach einigen Jahren zurück.
Neben der Lehre gewann die Forschung langsam an Gewicht, vor allem durch dieLandesstelle für Volkskunde, welche in Abhängigkeit von der Kommission für Baye-rische Landesgeschichte der Akademie der Wissenschaften stand und an der alsbewährte Fachvertreter Hans Moser und Karl S. Kramer wirkten. Hier wurde auch dasJahrbuch für Volkskunde geschaffen und fortgeführt.
Daneben muß noch das Bayerische Nationalmuseum genannt werden, desseneinschlägige Sammlungen für Volkstrachten, Möbel und Geräte, mit der reichhaltigenKrippensammlung et cetera ein gutes Studien- und Forschungsmaterial geboten hat.Kriẞ hat später aus seinem eigenen Bestand jenen des Nationalmuseums erheblichergänzt und erweitert, vor allem auch über die regionalen Grenzen hinaus.
Kriẞ selbst hat seine Forschungen 1947 mit dem Werk ,, Sitte und Brauch imBerchtesgadener Land" fortgesetzt und 1950 mit dem Großband ,, Wallfahrtsorte Europas"innerhalb seines speziellen Interessensgebietes erweitert. Sein weiteres Opus ist bekanntund braucht hier nicht zitiert zu werden. Doch muß man festhalten, daß bereits durch ihnein Akzent gesetzt worden ist, der sich nicht auf regionale Thematik konzentriert, sonderngrenzüberschreitend ist, so wie es in der späteren Zeit auch für Kretzenbacher gelten darf.
Neben den speziellen Forschungen gab es schon früh den Plan für ein handbuchar-tiges Werk zur Volkskunde. Daß es Jahre gebraucht hat, bis es Gestalt annehmen sollte,hängt einerseits mit den damals komplizierten Verlagsverhältnissen zusammen, ande-rerseits ergaben sich Probleme der Koordinierung und der redaktionellen Abstimmung.So ist die ,, Iro- Volkskunde" erst 1963 erschienen, aber ihre Ursprünge reichen einJahrzehnt zurück. ,, Beharrung und Wandel der europäischen Volkskultur in der Gegen-wart" lautet ihr Untertitel, der die eigentliche Funktion des Bandes näher erläutert.Torsten Gebhard und Hanika waren die Redaktoren, der Mitarbeiterkreis ist internatio-nal. Mit diesem Werk war eine erste Phase der Münchner Volkskunde- Forschungabgeschlossen. Verschiedene Spezialgebiete erschlossen sich im Verlauf der weiterenJahrzehnte, in denen vor allem die Tätigkeit von Kriẞ, von der Leyen und Hanika bisherauf zu Kretzenbacher seine Fortsetzung gefunden hat.
Erinnert sei nur etwa an die Schüler der ersten Stunde Arthur Rosenthal, LenzKriẞ- Rettenbeck und Walter Scherf.
Durch Kretzenbacher hat dann die Münchner Volkskunde auch im Publikations-wesen den Anschluß an die Akademie der Wissenschaften gefunden.
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