HELFERT- THIRRING GRÖSSL
ches Vorbild der Wiener Gründung68 kennenlernte. Später allerdings scheint Heger,wiewohl selbst Mitglied des Vereins, in eben dieser Funktion als Dienstvorgesetzterden außeramtlichen Aktivitäten Haberlandts und Heins in den Jahren der Vereinsetab-lierung mit Skepsis begegnet zu sein. Wiederholt moniert er eine Vernachlässigung derAmtspflichten, ja einen ,, systematischen passiven Widerstand, welchen die beidenBeamten namentlich seit den beiden letzten Jahren[...] entgegensetzen,[ und] eine sogeringe Arbeitsleistung, dass sich selbst der nachsichtigste Vorgesetzte mit derselbennicht zufriedenstellen kann. Beide Herren haben es auf einem anderen, ausserhalb desMuseums liegenden Terrain nachzuweisen versucht, dass sie etwas zu leisten in derLage sind, wenn sie wollen[...]" 69.
Geleistet wurde in der Tat einiges: Die ,, Zeitschrift für österreichische Volkskun-de"- als publizistische Plattform des Faches mit ihren Beiträgen und vor allem ihrenBuchbesprechungen 70 den Ausdifferenzierungsprozeß zur eigenständigen Disziplinkanalisierend- erschien, zahlreich abonniert, bereits im ersten Jahrgang im beachtli-chen Umfang von knapp vierhundert Seiten; Vorträge wurden in großer Zahl angebotenund Wanderversammlungen organisiert; eine vereinseigene Bibliothek wurde aufge-baut; und in den ersten drei Jahren wuchs die ,, ethnographische Sammlung", die auchin ersten Ausstellungen und Katalogen einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert wurde,auf rund 9.000 Objekte"- Leistungen also, angesichts deren die Frage nach dergeistigen Urheberschaft der Vereinsidee nicht nur hinsichtlich ihrer Unlösbarkeit müßigzu sein scheint. Sie wurde dennoch hier andeutungsweise unter jener Perspektive
68 Haberlandt, Michael: Čechoslawische ethnographische Ausstellung in Prag. In: Zeitschrift für österreichischeVolkskunde 1, 1895, S. 221-222; Hein, Wilhelm: Die čechoslawische ethnographische Ausstellung in Prag1895. In: ebda., S. 265-275; Murko, M( atthias): Zur Geschichte und Charakteristik der Prager ethnographischenAusstellung im Jahre 1895. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft 25, 1895, S.[ 90]-[ 98];Meringer, Rudolf: Die čechisch- slavische ethnographische Ausstellung in Prag, speciell in Bezug auf dasčechische Haus und seine Geräthe. In: ebda., S.[ 98]-[ 105]; Heger, F( ranz): Die Ethnographie auf derAusstellung in Prag( mit Ausnahme des Hauses und dessen Einrichtung). In: ebda., S.[ 105]-[ 111]; Plischke,Karl: Die Ethnographische Ausstellung in Prag im Jahre 1895. In: Mitteilungen der AnthropologischenGesellschaft 23, 1893, S.[ 108]-[ 110].
69 Schreiben Franz Hegers an die Intendanz des k.k. naturhistorischen Hof- Museums vom 24. November 1896,Archiv Museum für Völkerkunde.
70 Huber et.al. haben am Beispiel der Germanistik skizziert, wie sich entlang des Rezensionswesens der Weg ,, voneiner Gesprächsgemeinschaft zwischen Liebhabern und Dilettanten zur disziplinären Wissenschaftlergemein-schaft mit fachlichem Austausch" nachvollziehen läßt; Huber, Martin, Peter Strohschneider, Herfried Vögel:Rezension und Rezensionswesen. Am Beispiel der Germanistik. In: Brenner, Peter J.( Hg.): Geist, Geld undWissenschaft. Arbeits- und Darstellungsformen von Literaturwissenschaft. Frankfurt am Main 1993, S. 271-295, hier S. 273.
71 III. Jahresbericht des Vereines für Volkskunde. Wien 1898, S. 10.
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