HELFERT- THIRRING GRÖSSL
stehend- ,, nicht nur der österreichischen Staatsidee ergeben[ war], sondern dieseweitgehend selbst[ repräsentierte]" 32. Als Inhaber des Eisernen Kronenordens 2. Klasse1854 im Alter von 35 Jahren in den Freiherrnstand erhoben 33, stellt Helfert sich zudemals der typische Angehörige der sogenannten ,, Zweiten Gesellschaft" dar, die sich ausnobilitierten Wirtschaftstreibenden, Wissenschaftlern, Beamten, Künstlern und Offi-zieren rekrutierte und deren Vertreter als Beamte34 ein ,, über den Nationen stehendes"Berufsethos³5 verkörperten. So war denn auch Helfert in seiner Funktion als Unter-staatssekretär für Cultus und Unterricht 36 etwa an der Formulierung des 1859 oktroyier-ten ungarischen Protestantenpatents beteiligt, mit dem die Regierung die Nationalitä-ten, vor allem die Slowaken, im transleithanischen Reichsteil dem Magyarentum
bildungsfreundlich, von hohem Pflichtgefühl, außerordentlicher Korrektheit und konziliantem Wesen" gewon-nen worden. Gautsch( 1851-1918)- seit 1874 im Ministerium für Cultus und Unterricht, 1881 Direktor derTheresianischen Militärakademie und 1883 Leiter der Orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag Orientalischen Akademie- war 1885-1893 Unterrichts-minister unter Taaffe( ,, als solcher im Geiste des Reichsvolksschulgesetzes zwischen Liberalen und Konserva-tiven" vermittelnd), ab 1895 im Herrenhaus Vertreter der ,, Mittelpartei" und 1895-1897 wieder Unterrichtsmi-nister unter Badeni, scheiterte als Ministerpräsident 1897/98 am Versuch einer Neuregelung der BadenischenSprachenverordnungen, war 1899-1904 Präsident des Obersten Rechnungshofes, wurde Anfang Mai 1906neuerlich Ministerpräsident( scheitert an dem von ihm eingebrachten Gesetzesentwurf zum allgemeinenWahlrecht), hierauf wieder Präsident des Obersten Rechnungshofes und 1911 abermals Ministerpräsident; galtals ,, besonderer Vertrauensmann Franz Josephs"; s. Allmayer- Beck, Johann Christoph: Gautsch v. Franken-thurn. In: Neue deutsche Biographie 6, Berlin 1964, S. 108 f.; Weyrich, Maria Magdalena: Paul Gautsch,Freiherr von Frankenthurn. Jugend, Unterrichtsminister, Ministerpräsident 1897/98. Diss. Wien 1956.32 Urbanitsch( wie Anm. 21). S. 151; s. auch Heindl, Waltraud: Die höhere Bürokratie in Österreich. Entwick-lungslinien seit 1818. In: Das Zeitalter Kaiser Franz Josephs. 1. Teil. Von der Revolution zur Gründerzeit1848-1880. Beiträge(= Katalog des NÖ Landesmuseums, N.F. 147). Wien 1884, S. 207-212.
33 Frank zu Döfering, Karl Friedrich von: Alt- Österreichisches Adels- Lexikon. Wien 1928.
34 Wiewohl gerade beim öffentlichen Dienst in der Spätzeit der Monarchie der Anteil der Deutschen in allengemischtsprachigen Kronländern den jeweiligen Bevölkerungsanteil zum Teil erheblich überschritt; Urbanitsch( wie Anm. 21), S. 150.
35 Heindl( wie Anm. 32), S. 211. Wenn auch so manche Vertreter der( Hoch) Bürokratie ihr Sozialprestige nichtin erster Linie ihrem Besitz, sondern dem ,, immateriellen Gut der( formalen) Bildung"( Urbanitsch, S. 150)verdankten, so ist der wirtschaftliche Aspekt gerade im Falle Helferts zu betonen: Helfert, der sich 1871 seinPalais Ecke Parkring/ Himmelpfortgasse errichten ließ, wird geradezu als Exempel der ,, zunehmenden Verbrei-tung der Spekulation innerhalb des Bürgertums seit dem Wirtschaftsaufschwung im Neoabsolutismus“ genannt,s. Stekl, Hannes: Die Hauseigentümer. In: Baltzarek, Franz, Alfred Hoffmann, Hannes Stekl( Hg.): Wirtschaftund Gesellschaft der Wiener Stadterweiterung(= Die Wiener Ringstrasse. Bild einer Epoche 5). Wiesbaden1975, S. 259-326, hier S. 314.
36 Als solcher war er unter anderem auch mit Vorbereitungsarbeiten zum Konkordat befasst, wobei er ,,, als treuerSohn der Kirche" generell ein Gegner staatlicher Bevormundung des Klerus, doch für die Idee des ,, placetumregium", wenn auch in gemilderter Form eines staatlichen Vetorechtes, eintrat; s. Pisecky, Franz: JosefAlexander Freiherr von Helfert als Politiker und Historiker. Diss. Wien 1949, S. 69–74.
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