Druckschrift 
Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

HERBERT NIKITSCH

mit der offiziellen Idee eines übernationalen Staatswesens einem ,, tieferen Entwick-lungsprincip als das der Nationalität 13, nahm ,, in geographischer Hinsicht[...] dieErstreckung unserer Aufgabe auf ganz Österreich in Aussicht und hoffte ,,, zu allenunseren Völkern zu gelangen und das weite Arbeitsfeld von den Karpathen bis zur Adria[...] zu durchmessen" 14- womit die Wiener Vereinsproponenten ein Programm artiku-lierten, das ihre patriotische Gesinnung unter Beweis stellte. Es ist hier nicht der Ort,die allgemeinen gesellschaftspolitischen Konstellationen zu behandeln, in denen derVerein für österreichische Volkskunde als ,, ein eminent patriotisches Institut, das sichder vollsten Theilnahme aller gebildeten Kreise Wiens erfreut" 15, seinen Ausganggenommen hat; ansatzweise spiegeln sie sich im biographischen Ambiente seinerMitglieder und Funktionäre.

-

Helfert, Thirring, Grössl die im Titel genannten Namen haben wohl nur geringenBekanntheitsgrad. Der eine mag dem Historiker und Denkmalpfleger¹6, der andere demPhysiker( der dritte wohl niemandem) ein Begriff sein mit der Geschichte derhiesigen Volkskunde werden sie jedenfalls kaum in Verbindung gebracht. Gleichwohlhaben alle drei ihre sowohl spezifische wie auch exemplarische Bedeutung für dasVereinsleben gehabt und verdienen so als konkrete Einzelpersonen ebenso Beachtungwie als Repräsentanten des sozialen und weltanschaulich- politischen Umfeldes. Hierist vor allem Joseph Alexander Freiherr von Helfert ein recht charakteristischer Vertre-ter jener ,, Honoratiorengesellschaft 18, von der rückblickend im Zusammenhang mitVerein und Museum für österreichische Volkskunde gern und zumindest auf den erstenBlick zu Recht die Rede ist.

Tatsächlich tritt uns in den Mitgliederlisten 19 der ersten Jahre deutlich das ,, feu-dalisierte Großbürgertum" der franzisko- josephinischen Epoche entgegen²º, jenes

13 Haberlandt, Michael: Zum Beginn! In: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 1, 1895, S. 1-3, s. S. 1.14 Haberlandt, Michael: Vorerinnerung. In: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 2, 1896, S. 1-2, s. S. 2.15 So oder ähnlich die gern geübte Selbstdarstellung des Vereins, hier zitiert nach einem Schreiben des k.u.k.Intendanten des k.k. naturhistorischen Hofmuseums, Franz Steindachner, seinerseits Vereinsmitglied, an dasObersthofmeisteramt vom 16. Jänner 1897, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, 1897 r 76/3.

16 Lhotsky, Alphons: Geschichte des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 1854-1954(= Mitteilun-gen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Erg.Bd. 17). Wien 1954; Frodl, Walter: Die Einfüh-rung der staatlichen Denkmalpflege in Österreich. In: Das Zeitalter Kaiser Franz Josephs I. Von der Revolutionzur Gründerzeit(= Katalog des Landesmuseums, N.F. Nr. 147). Wien 1984, S. 395-400.

17 Zimmel, Brigitte, Gabriele Kerber( Hg.): Hans Thirring. Ein Leben für Physik und Frieden(= Beiträge zurWissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsforschung 1). Wien- Köln- Weimar 1992.

18 Johler( wie Anm. 12), S. 85.

19 In unregelmäßiger Folge bis 1916 in den ,, Jahresberichten" des Vereins( und Museums) für österreichischeVolkskunde publiziert; wie damals üblich, sind in diesen Listen Beruf und Wohnort der Mitglieder verzeichnet.

168