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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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TAMÁS HOFFMANN

mehr die freie Inbesitznahme jungfräulichen Bodens erlaubten, sondern sie mit Hilfevon Arbeitskräftewerbern ansiedelten( mit dem Versprechen der Steuerfreiheit- min-destens für einige Jahrzehnte). Als Ergebnis dieser Aktionen entstanden zwischen dem9. und dem 19. Jahrhundert geordnete Dörfer, in denen sich aber nur dienstleistendeHandwerker( Schmiede, Müller usw.) niederließen. Mit Ausnahme Südeuropas( wosich die Besitzlosen aus dem alten System nur in die Städte flüchten konnten) gestal-teten die Dörfer der Siedler das Landschaftsbild überall in Europa um. Andererseitsschufen die Bauern die Institutionen der Dorfgemeinschaft. Diese hätten- wie gesagt-ohne die Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeitskräftewirtschaft der Grundherrengu-ter niemals verwirklicht werden können. Bis dahin hatte niemand auf sie Ansprucherhoben.

Die Produktionskultur der Bauern hatte seit der Gründung von Meierwirtschaften( zuerst südlich der Alpen, dann nördlich von ihnen zwischen 500 v. Chr. und 1500n. Chr.) vor allem durch die Adaptation der durch das Meierhofpersonal erfundenenFertigkeiten zugenommen. Damals schufen die Neuerungen der Konsumkultur( Ge-bäude und ihre Einrichtung, Kleidung usw.) die Bauern noch selbst. Eine Zeitlangdeckte die bäuerliche handwerkliche Fertigkeit den gegenständlichen Bedarf desAlltagslebens. Die Häuser und Möbel wurden fast überall durch Spalten und Schnitzenvon Holz und Flechten von Ruten hergestellt, zwischen der Fest- und Alltagskleidunggab es- bei den Schnittmustern- eher nur regionale Unterschiede, wobei die Einför-migkeit in der Armut begründet war. Den Stoff, das Leinen, webten die Bauern selbst,und sie nähten auch die Kleidung. Da aber im Mittelalter zwischen den Dörfern undStädten- die Marktmechanismen durchsetzende- Warenbeziehungen entstanden, ge-langten die von den städtischen Handwerkern hergestellten Konsumgüter auch auf dasLand. Die Muster der Konsumgüter der Bauern stammten im vergangenen halbenJahrtausend aus den Bürgerhäusern. Wo es keine Bürger in genügender Zahl gibt unddie Tätigkeit des Dienstleistungsgewerbes stockt, dort ahmen die Bauern die Adligennach, wenn sie modisch sein wollen. Da sich aber auch die Adligen von Schneidernanziehen lassen und ihre Häuser mit Tischlermöbeln einrichten, unterscheidet sich dievon den verschiedenen( adeligen, bürgerlichen, bäuerlichen) Käuferkreisen erworbeneWare eigentlich nur dadurch, wieviel Arbeit in sie investiert wurde. In welcher mehrArbeit steckt, die ist teurer, in welcher weniger, die ist auch billiger. Der Schrank füreinen Adligen ist voller Schnitzereien, der für einen Bürger hat schon weniger vonihnen, und auf den Schrank für einen Bauern wurden die Muster nur gemalt. Die Mustersind- stilgeschichtlich gesehen- gleich. Aber alle drei Käufer werden vom gleichenTischler beliefert. Das ist der Maßstab der gesunkenen Kulturgüter. In Holland, wo im16. Jahrhundert mehr als die Hälfte der Bevölkerung Bürger waren, sind deren Ver-brauchsmuster richtungsweisend, der Bauer ahmt den Bürger nach. In Osteuropa gibt

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