MARGOT SCHINDLER
bewältigen war, handelte es sich doch um eigenständige Einrichtungen, die jede fürsich vollen Einsatz erforderten. Das eine war das oben bereits erwähnte Institut fürGegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit Sitzam Museum in Wien und einer Arbeits- und Dokumentationsstelle in Mattersburg imBurgenland. Das zweite war das Ethnographische Museum Schloß Kittsee, ebenfallsim Burgenland, ein affiliiertes Zweigmuseum mit eigener Rechtspersönlichkeit, das dieost- und südosteuropäischen Kollektionen des Österreichischen Museums für Volks-kunde beherbergt und dessen Geschäftsführung Klaus Beitl nach der Pensionierungvon Adolf Mais im Jahr 1979 übertragen wurde. Wirklich fast nebenbei muẞte auchnoch das Schloßmuseum Gobelsburg bei Langenlois in Niederösterreich betreut undregelmäßig mit Sonderausstellungen ausgestattet werden, was in Fortführung derbereits unter Leopold Schmidt bewährten Zusammenarbeit mit dem früheren Admini-strator von Gobelsburg, dem späteren Abt von Stift Zwettl, Pater Bertrand Baumann,in äußerst freundschaftlicher Abwicklung geschah. Ebenfalls nebenbei setzte KlausBeitl auch seine Lehrtätigkeit an den Universitäten Wien und Graz fort, an welchletzterer er 1984 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Nach dem unerwarteten undfrühen Tod von Leopold Schmidt übernahm Klaus Beitl 1982 auch die Präsidentschaftim Verein für Volkskunde. 1985 wurde er von Bundesminister Dr. Heinz Fischer zumHofrat ernannt.
Auf der Klaviatur all dieser Funktionen spielte Klaus Beitl manchmal forte, dannwieder piano, wie das Stück es gerade erforderte, meist mit beträchtlichem Mut zumRisiko und starker Entschlußkraft im rechten Moment, jedoch nie, um sich selbst zuberühmen, sondern immer, um der Sache zu dienen. Auf all seinen Gratwanderungenbegleitete ihn auch viel Glück im Leben, das Glück des Tüchtigen ist hier wohl dertreffende Ausdruck. Souverän steuerte er seine Flotte durch manche Klippen und mußtenur ganz selten eine Niederlage einstecken, wie etwa die Schließung des Instituts fürGegenwartsvolkskunde im Jahr 1992, die ihn persönlich sehr geschmerzt hat. In undmit diesem Institut war in mehr als einem Jahrzehnt viel bewirkt und so mancherbedeutende Akzent im Fach gesetzt worden. Zu nennen ist die Schaffung des sogenann-ten Z- Archivs, dessen Grundidee, die Zeitung als Quelle- so auch der Titel eines vomInstitut 1983 veranstalteten und im Anschluß publizierten Symposions- volkskundli-cher Forschung unbestritten ist und heute, freilich mit den viel effizienteren Methodender computergestützten Dokumentation, anderswo fortgesetzt wird. Da war weiterhindie Idee eines wissenschaftsgeschichtlichen Dokumentationszentrums zur Erfassungbiobibliographischer Daten zur Geschichte der Volkskunde als akademischer Disziplin,ein Projekt, das gemeinsam mit Wolfgang Brückner entwickelt worden war und desseninzwischen neun erschienene Bände zur Biographie von Fachvertretern und Institutio-nen zu unverzichtbaren Nachschlagewerken geworden sind, obwohl der Sinn der Sache
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