Eine
erschlagen. Der Mitterndorfer Arzt Heinrich Lobenstock verweilte einmal auf seinerFahrt durch den Stein im Bethüttl, um eine Andacht mit dem Blick auf das Kruzifixzu verrichten. Dadurch entging er einer Lawine. Zum Dank für die Rettung ließ er dieWallfahrtsstelle besser ausgestalten und spendete dafür ein größeres Bild. 37zweite Legende berichtet von einem Mädchen, das vor einem zudringlichen Burschen indie Felshöhle flüchtete und durch das Spinnetz entkam. 38 Im September 1974 erzähltemir ein älteres Ehepaar aus Gröbming, das am Sonntag Nachmittag die Wunderstätteaufsuchte, die gleiche Geschichte. 39
Auch eine Sage vom Lindwurm wurde in Verbindung mit der Talenge ,, Durchden Stein" erzählt. Früher soll es hier einen Einschnitt im Fels gegeben haben, denndieser reichte vom Grimming hinüber zum westlich anschließenden Gebirgsstocke. EinLindwurm hatte sich allmählich durchgenagt und damit auch dem Fluß den Weg ge-bahnt. Manche behaupten, daß man heute noch in Paß Stein an den Felsen die Spurender Zähne sehen könne. 40 Die meisten Lindwurmsagen beziehen sich jedoch auf dasGebiet östlich vom Grimming. Auf dem hinteren Grimmingboden, in jener Gegend, woder Grimmingbach seinen Lauf beginnt, lag einst ein See, in dem ein Lindwurm hauste.Bei einem Wolkenbruche trat der See aus den Ufern, die Wassermassen durchbrachen dieFelsenklamm und rissen den Lindwurm mit, der in Unterburg zwischen Grimming undPürgg verendete. Noch lange waren seine Rippen in der Größe eines Torbogens zusehen. 41 Genauer ist die Größe des Lindwurms angegeben, der aus einem See in derKlachau stammte. Der Lindwurm durchbrach den Felsdamm zwischen Grimming undPürgg, so daß sich die Flut bis ins Ennstal ergoß, wo das Tier umkam. Unter dem Ge-rippe konnten zwölf Kühe Unterstand finden. 42 Noch in der Gegenwart weiß man vondem Lindwurm, der sich zwischen Grimming und Burgstall durchfraß. 43 Nach einemanderen Bericht war einst der Felsen zwischen Klachau und Unterburg so hoch, daß sichdahinter ein See bildete. Der Lindwurm zerschlug den Felsen, brach aus und verursachtebei der Ortschaft Untergrimming eine Überschwemmung. Mit einem Ochsenfuhrwerkführte man Kalk herbei, als der Lindwurm die Ladung fraß, kam er um. Noch langelagen die Knochen umher. 44 Auch die Sage von der drohenden Gefahr, die imBerge lauert, gibt es für den Grimming. Dieser soll voll Wasser sein, in dem ein Lind-wurm haust. Bricht das Untier aus dem Grimming hervor, so wird das ganze Ennstalüberschwemmt und zu einem See. 45
-
Die Verödete Alpe wird im mittleren Ennsbereich zumeist auf den Dach-stein und dessen Gletscher bezogen. Eine ältere Nachricht erwähnt die ,, Versteinte Alpe"auf dem Grimming. Sennen sollen mit der Butter Kegel geschoben haben, wodurch diegrasreiche Sommerweide zu ödem Fels wurde. 46
Von den sonstigen Sagen seien noch einige erwähnt. Auf dem Grimming soll eineweiße Gemse mit silbernen Krickeln umhergehen. Es ist eine gute arme Seele, die nur
37 Hdg. 2667, Ortschaft Salza 1971- Hdg. 2824 Brenten 1974.
38 Lobenstock 1896 S. 342 f. Anschließend zwei Legenden von der Wundertätigkeitdes Marienbildes.
39 Hdg. 2826.
40 Hdg. 2268, Mitterndorf, aufgezeichnet in Trautenfels 1967.
41 Krauß, Ferdinand: Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische OberlandII 1897, S. 173. Danach von Brauner, Franz: Was die Heimat erzählt, Heft 8, Graz 1952,Nr. 38 verständnislos abgeändert. Die Quellenangaben dieses Werkes treffen häufig nicht zu,viele Geschichten sind willkürlich bearbeitet.
102
42 Lobenstock, wie Anm. 13, S. 412 f.
43 Hdg. o. Nr., 1974.
44 Hdg. 2190, Aigen 1967.
45 Hdg. 1816. Stainach 1963.
46 Weinhold, Karl: In: Zs. f. Volkskunde I( 1891) S. 215.