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Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
Entstehung
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Fleischexporte verhindern. Das Fleisch gibt aber in Schwaz die allermeiste Leibs-nahrung und fehlt am meisten." Die Folge ist die Entkräftung der Arbeiter. Ferdinandsolle den ungarischen König bitten, den Export von Rindern wieder zu gestatten. DasFleisch solle aber wie zu Zeiten Erzherzog Sigmunds und Kaiser Maximilians I. anReiche und Arme gleich ausgeteilt werden und nicht den Wirten in die Geschirre ge-schlagen werden. Die etwa 8000 bis 10.000 Menschen umfassende Bergarbeiterschaftbrachte mit der Fleischversorgung für ein agrarisch armes Land wie Tirol große Pro-bleme.

1524 drohen die Gewerken am Falkenstein erneut nicht mehr tapfer zu bauen, wennihnen keine Hilfe gewährt werde. 31 Sie wollen Kupfer und Silber frei verkaufen undaußerdem eine Verringerung des großen Wechsels( von 3 Gulden 30 Kreuzer pro Mark).Dafür schlagen sie vor, die halbe Silberproduktion gegen einen leidlichen Schlagschatzan die Haller Münze abzuliefern. Sie erklären, daß vor 13 Jahren erstmals ein Gnadgeldfür das Verbauen gewährt worden sei. Über diese erste Gewährung besitzen wir keinegenauen Unterlagen. Wohl hatte 1510 Kaiser Maximilian I. erstmals einen Nachlaß von12 Kreuzern pro Star Roherz als Gnadgeld gewährt, aber dies war eher eine einmalige,durch ein Darlehen der Gewerken an den Kaiser kompensierte Bewilligung, denn selbstdas 1517 vom Kaiser endgültig zugesagte Gnad- und Hilfsgeld wurde wegen der nichtdurchgeführten Bergbeschau zu seinen Lebzeiten nicht realisiert. 32 Die Regierung be-merkte 1524 mit Recht, daß die Gnadgeldforderungen immer höher steigen und dieGewerken die Silberproduktion( das Feinschmelzen für die Handelsform des Silbers)der Münze und damit dem Landesfürsten entziehen und in ihre Hand bringen wollen.Allerdings seien ,, die geng schmal und das Bergwerk nottig." Die Schwazer Gewerkenseien trotz allem die besten in ihrer Majestät Erblanden. Man müsse wohl etwas nach-geben, aber ihnen nicht freie Hand lassen.

Der Froner berichtet dazu, daß am Falkenstein 86 Gruben gebaut und pro Star Erzauf Führen, Umschlagen und Gnadgeld 33 Kreuzer Hilfsgeld gewährt werden, so daß1523 46.477 Gulden verbaut wurden. Nur sechs Gruben haben einen Überschuß von ins-gesamt 23.082 Gulden. 1524 wurden 29.519 Gulden verbaut und nur 2857 GuldenÜberschuß am Berg erzielt. Die Situation am Schwazer Bergbau spitzte sich von allenSeiten zu. Die Gewerken wollten mehr Zuschüsse, um die hohen Unkosten des Tiefbauesaufzufangen, der Landesfürst wollte hohe Erträge, um die Darlehen an die Fugger undandere Gesellschaften abzuzahlen, und die Bergarbeiterschaft wurde aus Gründen derVersorgung unruhig, was sich schließlich in den Meraner Artikeln des BauernführersMichael Gaissmair 1525 zeigte, der alle Bergwerke verstaatlichen wollte. 33 Da damalsder Staat noch nicht bereit war, ein Risiko zu tragen, war an eine Verstaatlichung derBergwerke schon aus diesen Gründen nicht zu denken.

In dieser Zeit sind die Brüder Stöckl besonders stark. Sie haben schon 1523 einenTeil der Schulden Martin Paumgartners übernommen und erreicht, daß die Kammer inInnsbruck mit ihren Forderungen gegen Baumgartner stillhielt. Allerdings mußte Paum-gartner sogar sein Haus in Kufstein verpfänden. 34 Inzwischen führen die Stöckl gemein-sam mit den Fuggern seit 1522 die Paumgartnerschen Grubenanteile bis 1525 weiter.Dann teilen beide die Anteile auf. Die Fugger werden damit selbst zum erstenmal inTirol Gewerken, die Stöckl erwerben durch Kauf das Hüttwerk und Zeug der FirmaHofers Erben, das sie seit 1524 ebenfalls mit den Fuggern gemeinsam geführt hatten. 3531 Pestarchiv XIV, 959, Landesarchiv Innsbruck.

32 Synodus Schwatz 1510, Cod. 40, Landesarchiv Innsbruck.

33 Pestarchiv, XIV, 646, Landesarchiv Innsbruck; Buchholtz, F. v.: Geschichte derRegierung Ferdinands I. Urkundenband, Wien 1838, S. 654.

34 Pestarchiv XIV, 526, Landesarchiv Innsbruck.

35 Siehe Anm. 2, Schwatzer Prandtsilber; Dobel E., a. a. O., S. 202.

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