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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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weisbar. Der Kampf Hrungnirs mit Thor ist in dieser Hinsicht sicherlichzumindest auch als Kampf zweier Gewittergestalten aufgefaßt worden, alsKampf der älteren riesischen mit der jüngeren göttlichen. Die Parallele zuden Kämpfen der olympischen Götter, vor allem des Zeus mit seinen riesi-schen Vorgängern beweist, daß wir es hier mit einer sehr alten Schicht zutun haben. Freilich ist die Gewitterbeziehung nicht die einzige, und Titanenund Thursen haben noch weitere gemeinsame Züge, welche auch für Hrungnirherangezogen werden müssen. Samuel Singer hat die Züge der vorolympi-schen und vorasischen Riesen- Religion, wenn man so sagen darf, bereitsbedeutsam hervorgehoben 864). Auch in unserem Zusammenhang hier warbereits von der Tatsache die Rede, daß wir es bei dieser Riesen- Schicht mitVertretern phallischer Gestalten zu tun haben, und daß sich diese, zwei-fellos sehr altertümliche, Art der Anthropomorphisierung auch in den Namenäußert. Hier ist es nun der Name Hrungnir, der dafür in Betracht kommt.Schon Jacob Grimm hat den Namen zu got. hrugga Stange gestellt 865),wozu ags. hrung, engl. rung, Balken ebenso gehören wie nd. Runge, diegroße Stange, die Wagenstange. Hrungnir ist also ein ,, Stangenmann", undman wird kaum fehlgehen, wenn man einen solchen Namen, nach bekanntenPfahl- Parallelen, als phallische Bezeichnung auffaßt. So ist er also vermutlicheinerseits ein phallischer Steinmann, wobei sich die Beziehungen zu denvorerwähnten Menhiren und zum Weiberwetzstein Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberwetzstein im Hennebergischen auf-drängen; anderseits aber ist auch sein hein", seine Wetzsteinwaffe davonberührt. Der Kampf zwischen Wetzstein und Hammer mutet also von diesemGesichtspunkt aus wie der Kampf zweier Phallussymbole an: was für denWetzstein verhältnismäßig selten belegt ist, gilt für den eheweihenden Mjöl-nir wohl als selbstverständlich.

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Von hier aus ist vermutlich auch die Natursage von der Entstehungaller heinberg", aller Wetzsteinfelsen zu verstehen. Hrungnir, der in derEddageschichte besiegt und getötet wird, ist doch in seiner Art auch eineGlaubensgestalt gewesen, und der Wetzstein gilt wenigstens danach als seinGeschenk an die Menschen. Hier reiht sich wohl auch der Zug der Heilig-haltung des Wetzsteines an, den die Edda zufällig mitteilt, nämlich dasVerbot, ihn nicht quer über die Tenne" zu werfen. Dieses Verbot mußseinen Grund in einem geläufigen Brauch besitzen, es hat danach also dieGewohnheit geherrscht, zu irgendwelchen Gelegenheiten den Wetzstein zuwerfen, und zwar über den Hausboden, was doch auch über das Hausdachheißen dürfte. Als Grund wird ein mythischer angegeben, der aber in seinemStadium der ausgeformten Erzählung kaum mehr richtig zu verstehen ist.Jan de Vries führt ihn auf eine Eigentümlichkeit der Thorbilder zurück,die ,, reginnaglar" der Hochsitzsäulen: es soll sich um einen Nagel gehandelthaben, der den Polarstern an der Himmelsachse bedeutete; Vorstellungenim Altaiischen gehen mit dieser germanischen Tradition parallel 866). An dieJahresnägel der Etrusker und im Tempel des kapitolinischen Jupiter inRom muẞ wohl hier gleichfalls erinnert werden. Als kosmische Begründungwäre dann einzusehen, daß eine Bewegung des Polarsternes durch magischeHandlungen vermieden werden sollte. Das ist an sich durchaus richtig, aberob das Werfen des Wetzsteines über das Hausdach hierhergehört, erscheintmir doch zweifelhaft, wenn man die vielen Brauchhandlungen bedenkt, beidenen irgendein geweihter Gegenstand ebenfalls über das Dach geworfenwird, geworfen werden soll 867). In solchen Fällen haben wir die Brauch-

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