des Rittertums in das alte Reichsgebiet zurückströmen: in diesen Jahrenbereits müßte Wolfram von Eschenbach auch den Bilwis- Namen erfahrenhaben. Er hat ihn als erster in der Literatur verwendet, wie so viele andereoft geheimnisvolle Kenntnisse auch. Die Möglichkeit war für den ritterlichenDichter zweifellos gegeben.
Für die frühesten Belege im binnendeutschen Bereich wäre hiermit eineneue Erklärung gegeben. Sie reicht auch für die Feststellung noch aus, daßdiese Zeugnisse bei den mittelalterlichen Dichtern offenbar nichts mit denGestalten des später zahlreich aufgezeichneten Volksglaubens zu tun haben,den auch Mackensen schon rein kartographisch streng davon geschieden hat.Von diesen Gestalten, die Bilwis- Namen tragen, muß man zunächst alle jenehier ausscheiden, die als reine Hexen und Zauberer, ohne Sichelbeziehung,auftreten, wie vor allem die am Niederrhein, die auf Mackensens Karte sehrgut hervortreten, wie auch für die„, Willeweis", eine Gruppe von SaligenFrauen in Südtirol 612), die Mackensen auf seiner Karte leider nicht ein-gezeichnet hat. Der Name hat sich also zu einer bestimmten Zeit, geradezuals Modewort, für verschiedene Glaubensgestalten verbreitet, und Mackensenhat völlig richtig ein Kerngebiet des Bilwis- Glaubens herausgearbeitet, indem die Vorstellung von dem Sichelwesen maßgebend ist, und für das jün-gere Namensschwankungen nicht so wesentlich erscheinen wie der Glaubean die Beziehung zum Kornschnitt. Dieses Gebiet umfaßt hauptsächlich Alt-bayern, die Oberpfalz, den Böhmerwald, Westböhmen 613), das Vogtland undeinen Teil von Thüringen. Ausläufer nach Westen lassen sich über den Lech-rain bis in den Aargau verfolgen, Ausläufer in den Südosten bis nach Steier-mark, wo dann weiterhin in Kärnten das Gebiet der Bilwis- Hausschutzmittelanschließt 613a). Nach dem Osten reichen Ausläufer bis ins Erzgebirge. Beson-ders dicht sind die Belege im Vogtland 614) und in den angrenzenden bayeri-schen und böhmischen Gebieten. Nach politischen Grenzen oder Mundart-bereichen läßt sich dieses geschlossen anmutende Gesamtgebiet kaum um-schreiben. Wenn man germanische Stammesbereiche heranziehen würde,könnte man am ehesten von einem Hermunduren- Gebiet sprechen.
Diese hypothetische Zuweisung soll jedoch nicht den Eindruck erwecken,als ob ich die Bilwis- Vorstellung den germanischen Hermunduren zuschrei-ben würde. Wenn diese Zuweisung überhaupt einen Sinn haben sollte, dannwohl nur den, diese Vorstellung bei dem vorgermanischen Element zu suchen,das die Hermunduren mitaufgebaut haben dürften. Vielleicht handelt essich dabei um jene„, Thuren", die schon Rudolf Much in den Toupwvoi desPtolemaios( 2, 11) gefunden hat, und für die er auf die Namensverwandt-schaft mit den gallischen Turones verwies 615). Sie sind wohl beide keineKelten gewesen, sondern wie die an die Hermunduren anschließendenNaristen- Varisten germanisierte Illyrer, wenn man diesen etwas weitenNamen hier angebracht findet. Bei solchen, also Trägern der Urnenfelder-kultur 616), möchte ich am ehesten eine Vorstellung wie die vom Bilwis-Sichelmann für beheimatet halten. Germanisch scheint sie doch nicht zu sein.Es hat, soviel ich sehe, nach Rochholz 617) auch niemand mehr daran gedacht,den Bilwis- Glauben mit germanischen Vorstellungen zusammenzubringen.Anderseits wäre es auf Grund dieser Annahme besonders gut verständlich,daß Vorstellungen des mitteldeutsch- bayerischen Gebietes mit ostpreußisch-litauischen übereinstimmen: Illyrer und Balten haben sich einstmals un-mittelbar berührt, erst das Erstarken der Germanen und später der Slawen
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