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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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läufer jeweils aufgezeigt werden sollen. Sie kennen bekanntlich fast stetsnur die Sense, nicht die Sichel, als männliches Schnittgerät. Als seltene Aus-nahme halte ich fest, daß in dem Volksbuch ,, Das bis an den jüngsten Tagwährende Elend" 571) das Elend den Tod bittet, ihm seine Sichel zu leihen,eine Geschichte, die dann wie die vom Schmied von Jüterbog weitergeht 572).Daß hier der Tod eine Sichel führt, hängt wohl mit der Beziehung zumJüngsten Gericht, also mit der Apokalypse als literarischer Quelle, zu-

sammen.

Vielleicht gehört es auch hierher, daß ähnlich wie beim Sommer- undWinterspiel einmal der Sommer, so auch beim Nikolausspiel einmal der Todeine Sichel führt. Dies ist beim, Midlao" im unteren Innviertel in Ober-österreich der Fall, wo der Tod eine große Sichel trägt. Es ist eine große,weit offene Sichel, die der Tod dort zwischen Teufel und Teufelsweiser"höchst eindrucksvoll schwingt 573). Dieser Tod mit der Sichel kann aber aucheine andere Beziehung haben, die noch einmal in die Welt der Antikezurückweist. Es gibt nämlich im Bereich der byzantinischen Kunst, also ineinem Ausstrahlungsgebiet spätester Antike, Darstellungen, auf denen derTod mit der Sichel erscheint. Ich entnehme dies einem Aufsatz von Endrevon Ivánka, der sich auf eine Wandmalerei der rumänisch- byzantinischenKirche in Täuti in Siebenbürgen bezieht und durch deren Interpreta-tion eine neue Auffassung der Geschichte des Krampus, also des teufels-gleichen Begleiters des hl. Nikolaus bei seinen brauchmäßigen Umzügeneinleiten möchte 574). Ivánka beschreibt diesen, Tod", der in seiner Nacktheitund mit seinem struppigen Haar- und Bartwuchs einem Satyr sehr ähnlichschaut, als mit Giftbecher und ,, Schwert" ausgestattet. Das Gerät, das dieserSatyrtod in seiner Rechten schwingt, ist jedoch, nach der wenig zulänglichenAbbildung zu schließen, kein Schwert, nicht einmal ein Sichelschwert, son-dern offenbar ein große, weit offene Sichel, wie sie im Bereich der Kurzstiel-sensen wohlbekannt ist und beispielsweise in Bulgarien verwendet wird 575).Mir ist aus Ivánkas Untersuchung nicht ganz klar geworden, wie er sich denWeg vom Satyrtod byzantinischer Herkunft zum österreichischen Krampus,der keinerlei Todeszüge aufweist, überhaupt vorstellt. Er wollte wohl auchhauptsächlich beweisen, daß der Krampus ursprünglich kein Teufel sei, nochviel weniger eine vorchristliche Gestalt, sondern daß die Todesgestalt desOstens im Westen verkannt wurde. Es wären also in diesem Fall einerhypothetischen Ost- Westwanderung dieser Gestalt die Merkmale des altenSatyr, die struppige Behaarung beispielsweise, beibehalten worden, dieAttribute, gleichgültig ob Schwert oder Sichel, verloren gegangen? Dasscheint mir doch recht unwahrscheinlich, schon bei Berücksichtigung derGrundtatsache, daß die Attribute, vor allem die ursprünglich sinnvollen, mitbei weitem größerer Zähigkeit beibehalten werden als alle anderen äußer-lichen Züge. Sodann ersehe ich aber aus der Untersuchung Ivánkas, daß ernicht darüber im Bilde ist, daß bei unseren Nikolausspielen und-umzügender Tod als selbständige Gestalt neben den teufelsgleichen Maskenspielernauftritt, wie dies eben beim Innviertler Midlao" zu schildern war 576). EineÜbersetzung der Todesgestalt in eine Teufelsgestalt ist also unwahrschein-lich, und die Untersuchung Ivánkas hat für den Ursprung des Krampusnichts ergeben. Dagegen hat sie unbewußt ein Nebenergebnis gezeigt: wirkönnen nämlich daraus entnehmen, daß die Todesgestalten unserer Nikolaus-umzüge möglicherweise an eine Ostströmung anzuknüpfen sind. Der Tod mit

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