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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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tige Formen, fast rein prismatischen Körpers, mit einer sehr starken, kurzenSpitze ausgestattet, finden sich, nach dem Westen zu, zunächst im Wallis, wosie Eugenie Goldstern in Chambery feststellen konnte 423). Es handelt sichum Weichholzarbeiten mit einem angeschnitzten Aufhängehaken, der wiedereher an einen Tragspan, als an einen Haken erinnert. Ein datiertes Stückstammt von 1830. Seine Vorderseite ist in zwei ungleich große Rechteckegegliedert, davon das obere die Jahrzahl, das untere eine Sechssternrosettezeigt. Im Gebiet von Bern scheint der, coffin" kantige und gerundete Formennebeneinander aufgewiesen zu haben 424). Ein ganz nahe verwandtes ,, Wetz-steinfaẞ" aus dem Obersimmental wird von Christian Rubi noch dem 18.Jahrhundert zugewiesen 425). Das dekorative Hauptcharakteristikum desStückes, ein schönes, linksdrehendes Wirbelrad, läßt sich freilich für dieDatierung nicht heranziehen. Beide Formen zeigen leicht hochgezogeneRückwände. Ein datiertes Stück stammt von 1823; unter der Jahrzahl ist aufder Vorderseite ein pflanzlicher Sproẞ zu erkennen, während die Schmalseiteuntereinander drei Rosetten zeigt.

Da auch die Innenräume dieser Schweizer Kumpfe von Rechtecken be-grenzt werden, könnte man an eine Anpassung der Behälter an die gestrecktprismatischen Wetzsteine denken. Für aus dem Vollen gearbeitete Holz-behälter muten sie nicht ganz organisch an. Das Rosettendekor stellt sieaber immerhin in den Zusammenhang der offensichtlich altartigeren ge-rundeten Stücke der alpenländischen Gruppe.

Auffällig ist anderseits, daß auch die baskischen Kumpfe einen kantigenGrundcharakter haben. Ihr Innenraum ist jedoch kegelförmig, an eine jün-gere Anpassung ist also hier wohl nicht zu denken. Rudolf Trebitsch hat inAlos bei Tardets, Bass. Pyr., und in Tardes bei Soule, ebenfalls in Frank-reich, gesammelt 426) und dabei Stücke aus dunklem Hartholz festgestellt,die eine schwer zu beschreibende Gestalt aufweisen. Es sind nach oben etwasverjüngte Prismen, deren Flächen durchwegs etwas geschweift sind undbesonders die Rückseite nach vorne- untenhin stark abgerundet ist. Die Pris-menkanten sind abgefast, so daß ein etwa trapezförmiges Vorderfeld zu-stande kommt. Die Rückwand ist etwas hochgezogen, aber leicht nach aus-wärts ausgeschweift und mit einem stehengelassenen Blockteil verbunden,aus dem hinter der Rückwand der tragspanartige lange Aufhängehakenetwa bis zum zweiten Drittel der Gesamthöhe reicht. Die Vorderseite desKumpfkörpers ist reich mit Kerbschnitt verziert, und zwar mit Fünf- undSechssternrosetten, die Schmalseiten tragen Zahnleisten. Ein anderes Stückzeigt neben den Rosetten noch Hausenblasen- und Herzmuster. Die Muste-rung ist mitunter durch hellen Schnitt aus der dunkelgefärbten Oberflächeeigens herausgehoben. So sind diese Kumpfe wohl in vieler Hinsicht mit denmitteleuropäischen verbunden, aber in der Gestaltung doch sehr selbständig.Arthur Haberlandt hat darauf hingewiesen, daß bei der eigenartigen Schwei-fung die Nachahmung der Form geschweift genähter Lederbehälter vor-liege 427). Lederne Kumpfe sind allerdings nicht bekannt. Die betonte Schwei-fung kann aber auch diese Holzkumpfe vielleicht mit den Hornkumpfen ver-binden, und was Fritz Krüger für das südlich vom Baskenland gelegeneSanabrien festgestellt hat, daß die Hornkumpfe in Holz nachgebildet wür-den, kann also in gewisser Hinsicht doch auch hier gelten. Die Sonderstellungder baskischen Formen wird dadurch nicht beeinträchtigt, aber vielleichtetwas verständlicher gemacht.

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