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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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leider keine Herkunftsangabe zeigt, hat ebenfalls die flache Rückseite. SeinDekor und seine Initialenleiste ,, I.. D 22 R" stellen es wohl nach Südtirol.Die Jahrzahl dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach als 1722 zu lesen sein 410).

Die bosnischen Kumpfe nun sind durchwegs durch die flache Rückseitecharakterisiert, die in den meisten Fällen über den Mundsaum des Kumpfesaufragt. Einige Stücke schließen in der Form des Kumpfkörpers an denHorntypus mit den abgefasten Flächen an, so Stücke aus Snica bei Livno 111).Ein derartiges Stück würde also dem Körper nach durchaus dem Kumpf ausTarnow in Galizien entsprechen. Gestaltlich unterscheidet es nur die hoch-gezogene Rückwand, die noch dazu durchbrochen geschnitzt ist, und derabgesetzte lange Einstoßdorn. Außerdem sind die bosnischen Kumpfe durch-wegs mit Ritz- und Kerbschnitzornament beschnitzt. Einige weitere Stückegehören vielleicht in die Nähe der Hornkumpfe, mit runden, geraden, dasheißt kegelstumpfförmigem Körper, beispielsweise Stücke aus Mardekici beiTravnik 412). Auch sie haben eine sehr hochgezogene Rückwand, durch-brochen geschnitzt und mit Rosetten versehen, und einen scharf abgesetztenEinstoßdorn. Diese aus Eiche geschnitzten Kumpfe sind mit besondersgenauen geometrischen Mustern, vor allem Rosetten, verziert. Der beiweitem größte Teil der bosnischen Kumpfe gehört dem gebauchten Typusan. Es sind durchwegs Hartholzschnitzereien aus Eiche, Buche oder Ahorn,mit flachen Rückseiten, die zum Teil nicht nur über den Mundsaum in dieHöhe hinausgezogen sind, sondern auch links und rechts über den Körperhinausgreifen und ihm geradezu einen flächigen Hintergrund geben. Diebauchige Rundung, überzogen von strengen, einfachen geometrischen Mu-stern, kommt dadurch besonders zur Geltung. Diese Gruppe ist vor allemum Knin, Kupres und Bugojno zu Hause 413).

Arthur Haberlandt hat für diese bosnischen Kumpfe die Vermittlungalpenländisch- bajuvarischer Siedler im windischen Land, so die hausgewerb-lich in der Herstellung von derlei Gebrauchsgerät besonders fleißigen undweit umwandernden Gottscheer" herangezogen, um die Abstammung dieser,, typisch mitteleuropäischen Formen" zu klären 414). Die Bodenständigkeitder Zierweise hat er aber daneben vollkommen eingeräumt. Die KroatinLjerka Topali hat ihm in beiden Ansichten zugestimmt 415). Meine Zuordnungzu den bauchigen Kumpfen am Alpensüdrand deckt sich damit nur teilweise.Ein Zusammenhang mit den deutsch- alpinen Kumpfen besteht zweifellos,aber nicht mit allen, sondern mit einer bestimmten Gruppe, anscheinend mitden älteren, für Tirol bezeugten Formen. Die Gottscheer Formen sind mitden bosnischen eigenartigerweise nicht verwandt, dagegen aber durchaus mitden kärntnerischen und damit mit der ganzen ostösterreichischen Gruppe.So werden die Gottscheer also wohl auch kaum den Kroaten diese Kumpfegeschnitzt haben, zumindest nicht in jüngerer Zeit, seit die Gottscheer Wan-derhändler geworden sind. Die bosnischen Kumpfe sehen in ihrer Mehrzahleher so aus, als ob sie eine Altform der südlichen Alpenländer bewahrt undvielleicht nur örtlich vergrößert und in mancher dekorativen Hinsicht erwei-tert hätten. Ihre bauchigen Formen haben jedenfalls mit den Süd- und West-tiroler Formen den ausgesprochenen Gefäßcharakter gemeinsam, im Gegen-satz zu den schlanken Zweckformen der anderen Gruppen. Gemeinsam istferner den bosnischen und den Tiroler Formen der Drang zur volkskunst-lerischen Ausgestaltung der Oberfläche. Die bosnischen Kumpfe sind vonornamentalen Sinnbild- Kerbschnitzereien bedeckt, wobei neben viel Flächen-

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