Glasgemälde von 1477 erhalten ist, zeigt einen fast kegelförmigen Kumpf,der noch nicht in diese Gruppe gehören dürfte 384). Dagegen finde ich dasStück zweifelsfrei auf dem prachtvollen Bild„ Die Rast der Schnitter" vonMatthias Ranftl, das die Verhältnisse der nächsten Umgebung Wiens um1840 wiedergibt 385). Hier ist deutlich der angeschnitzte Aufhängehaken zuerkennen. Der Kumpf zeigt außerdem eine merklich, und zwar wohl ge-drechselt abgesetzte Einstoßspitze. Der Aufhängehaken kann bei den Stücken,die in den letzten Jahrzehnten gesammelt wurden, mitunter entfallen, andereAufhängevorrichtungen treten dann an seine Stelle. Der gedrehte zylindri-sche Körper mit der mehrflächigen Abfasung des oberen Drittels dagegenbleibt nun durchwegs die Regel. Diese Form zeigt beispielsweise ein Kumpfvom Attersee in Oberösterreich, der am Ende des 19. Jahrhunderts von einemZimmermann in Ober- Aschau hergestellt wurde 386). Wahrscheinlich ist auchder von Leopold Bein beschriebene steirische Kumpf ,, mit Hakerl zum Ein-haken am Hosenriemen" hierherzurechnen 387). Ein Stück von nicht ganzdeutlicher Herkunft, das die in Salzburg gebräuchliche Form besitzt, selbstaber aus der Slowakei stammen soll, zeigt die beschriebene Gestalt mit derEinstoßspitze, aber ohne angeschnitzten Haken 388). An dessen Stelle befindetsich ein Tragspan, wie er für eine Anzahl von Kumpfgruppen charakte-ristisch ist. Der brettchenartige Span, der meist etwa halb so lang als derKumpf selbst ist, wird an einen durch Schlauflöcher gezogenen Riemen,später auch Draht, gehalten und liegt mit einem kleinen Abstand plan ander Kumpfwand an, so daß er, hinter den Hosenriemen oder Gürtel ge-schoben, den Kumpf gut festhält. Einen derartigen Tragspan weist auchein Kumpf aus Trebesing in Kärnten auf, der seiner sonstigen Gestalt nachganz zu der beschriebenen österreichischen Gruppe gehört 389). Die Abfasungdes oberen Drittels des Zylinderteiles ist hier noch durch das Stehenlassenvon zwei Dreikantvorsprüngen ergänzt, welche mittlings von den Schlauf-löchern des Trageriemens für den Tragspan durchbohrt sind. Das Stück ausTrebesing weist eine einfache Brandstempelverzierung mit einer Art Ro-settenblüte auf. Oskar Moser, der beste Kenner des Gerätewesens in Kärn-ten, macht mich darauf aufmerksam, daß dieser Kumpftypus in Kärntenallgemein geläufig ist. Das haben also zweifellos gewerbsmäßige Schnitzerbewirkt, deren Geräte marktmäßig und durch Wanderhändler vertriebenwurden.
Ein Beispiel hat sich dafür zufällig gefunden. Der gleiche Kumpftypus,den Johann R. Bünker vor nunmehr fast 60 Jahren in der Gegend vonGmünd in Kärnten sammeln konnte, wird auch heute noch in Oberkärntenverwendet und hergestellt. So verfertigt Kumpfe dieser Art der SchnitzerNikolaus Asleber in Winkel Nr. 12 bei Heiligenblut, ein Mann, der dasJahr über hauptsächlich derartige Geräte, besonders eben Kumpfe, herstellt,vor Weihnachten jedoch die großen beleuchtbaren Sterne für die Heiligen-bluter Sternsinger verfertigt 390). Genau die gleiche Gestalt, nur eine etwaseinfachere Ausführung zeigt ein Stück aus Rudolfswerth in der Gottschee 391).Die Beziehung zwischen der Gottscheer deutschen Besiedlung und den öster-reichischen Alpenländern spricht sich also auch in diesem Fall ganz deutlichaus; das Gerät hieß auch dort Kumpf oder Kump 392). Kumpfe dieses Typssind in Steiermark ziemlich allgemein üblich gewesen, in den gleichenGrößenverhältnissen wie in Nieder- und Oberösterreich. Die Tiroler For-men, wie ich sie beispielsweise in Patsch im Wipptal beobachten konnte,
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