Entsprechende Stücke haben sich im Gerätegebrauch der Gegenwart nocherhalten. So hat Raimund Fr. Kaindl bei den Huzulen im Suczawatal ganzähnliche Kumpfe mit angeschnitzten Haken, die hinter dem Gürtel getragenwerden, festgestellt 375). Die gleiche Form ist bei den Rumänen üblich, woder Kumpf ,, toc" oder„ tioc" heißt 376). Bei den Slowaken in Pochmanin hatsich ein ganz verwandter Holzkumpf feststellen lassen 377). Daneben gibt esin der Slowakei, z. B. in Holic, auch profilierte Kumpfe mit anderer Auf-hängevorrichtung 378). An der Nordseite der Karpathen, beispielsweise inMariahilf bei Kolomea in Galizien, waren gleichfalls derartige ganz einfachegeschnitzte Weichholzkumpfe üblich 379). Das ist bei einer derartigen deut-schen Sprachinsel auffällig, die Siedler haben diese Form wohl nicht ausdem heimischen Böhmerwald mitgebracht. Es scheint sich da eher um eineKumpfgruppe zu handeln, die der slowakischen und rumänischen Haus-industrie entstammte, für die ja gerade derartige einfache Holzgeräte be-zeichnend waren. Aber diese hausindustrielle Form beruht doch wohl aufeiner alten Grundform, die schon dem einfachen mittelalterlichen Geräte-inventar des Mittelostens angehört haben kann. Von Galizien läßt sich dieForm jedenfalls noch nach dem Norden zu verfolgen, die weißrussischenKumpfe scheinen ihr noch nahezustehen 380). Sie sind freilich nicht nur Wetz-steinbehälter, sondern gleichzeitig Sandbüchsen, es kommt Wasser und Sand,und der Wetzstein und das Wetzholz hinein. Das Holzgefäß mit dem an-geschnitzten Traghaken aber bleibt bei seiner Form.
Vielfach werden diese Kumpfe, die man also als hornförmige Holz-kumpfe bezeichnen kann, in der Außenwandung nicht völlig gerundet, son-dern in verschiedener Weise abgefast, ohne deshalb den Eindruck kantigerGestaltung zu machen. Hierher gehören beispielsweise Stücke aus dem Kuh-ländchen, der alten deutschen Sprachinsel in Mähren; die Stücke haben mitihren acht Flächen der Außenwandung fast mehr Pyramiden- oder Kegel-gestalt 381). Weiters gibt es ganz ähnliche Stücke aus Galizien, wo sie inder Umgebung von Tarnow festgestellt wurden 382); schließlich hat sich einverwandtes Stück in der Umgebung von Bosnisch- Gradiska feststellen lassen,wo es allerdings unter den anderen bosnischen Kumpfen ganz allein steht,weshalb seine Herkunft zweifelhaft erscheint, und das achtflächige Abfaseneher auf nordkarpathische Herkunft hinweisen würde 383). Aber Vertragun-gen im Raume der alten Österreichisch- Ungarischen Monarchie sind ja durch-aus verständlich, nicht zuletzt bei Berücksichtigung des lebhaften Wander-handels mit den Erzeugnissen der Hausindustrie.. Diese Weichholzkumpfesind weiters nicht verziert und mit den angeschnitzten Aufhängehakenversehen.
Gestaltlich läßt sich hier nun eine österreichische Gruppe anschließen,die anscheinend auf demselben Grundtyp aufgebaut, herstellungsmäßig je-doch erneuert erscheint. Es sind dies Kumpfe von gerundeter Gestalt, derenRundung häufig drechslermäßig gedreht ist, wobei aber eine Zone der Wan-dung, meist die des ersten Drittels von oben, flächig gefast wird, so daßeine reizvolle Kombination der Rundung und der Vielflächigkeit entsteht.Das Alter dieser meist aus härteren Hölzern hergestellten Kumpfe ist zwei-fellos kein sehr hohes. Es kann aber doch schon an der Wende vom Mittel-alter zur Neuzeit mit dieser Verfeinerung begonnen worden sein. Das ältesteBildzeugnis eines österreichischen Kumpfes, das redende Wappen des AbtesKilian Heymader von Seitenstetten, das uns auf dem von ihm gestifteten
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