Dieser gespenstische Mäher gehört offenbar schon in die Gruppe derSensengestalten. Er ist kein Helfer mehr, sondern im Gegenteil eine Ver-körperung des Gefährlichen, das in dem Schnittgerät lebt. Hier ist nurwesentlich, daß er als Hüter der Arbeitszeit auftritt: wie der KärntnerMäher seine Kameraden durch die gute Schneide nicht übervorteilen sollte.so der geizige Bauer hier nicht durch sein Überschreiten der Arbeitszeit.Bewähren sollen sich beide nur unter gleichen Bedingungen. Diese in hun-derten von Geschichten und Beispielerzählungen ausgesprochene Arbeits-ethik muß bei der Anwendung auf die Mahd besonders einleuchten. Dennhier kann sich die Wettarbeit tatsächlich so sehr entfalten wie kaum an-derswo in bäuerlichem Bereich.
Derartiges Wettmähen gibt es in der Wirklichkeit, und dabei hängtder Erfolg wesentlich von der Schärfung der Sensenschneide ab. Dieser Zughat dementsprechend in der Sage seinen Niederschlag gefunden. Dort ist esder Teufel, der mit einem menschlichen Mäher um die Wette mäht, unddurch die besondere Behandlung des Schnittgerätes so lange im Vorteil bleibt,bis der menschliche Mäher den Trug durchschaut. Das zeigt beispielsweiseeine pommersche Sage:
,, Ein Steinteufel, das heißt ein Teufel, der an einem besonderen Steinorthaust, wo das Land nicht unter den Pflug genommen werden darf, fordertein jedem Jahr zur Erntezeit einen Knecht zum Wettmähen heraus, den erzwischen einer blanken und einer rostigen Sense wählen ließ. Immer gewannder Teufel mit der schlechten Sense und holte sich den Knecht, bis einerdie rostige Sense wählte und den Teufel besiegte" 231).
Auch diese Bevorzugung des unansehnlichen Gerätes dürfte nicht ganzaußerhalb der Volkspädagogik betrachtet werden. Sie gehört aber auch inden Bereich der mythischen Motive, wie sie beispielsweise den Aschenbrödel-komplex bilden: das Wesen der anderen Welt" weiß, daß das äußerlichUnansehnliche das in Wirklichkeit wertvolle Ding ist, der Mensch muß aufirgendeine Weise dies erst erkunden, oder der dafür Bestimmte weiß eseben dann von selbst.
Mitunter sind die Geschichten von derartigen Wettmähen aber wohlnichts anderes als mythisierte Erlebnissagen. Eine Geschichte aus Rohrbachan der Gölsen in Niederösterreich klingt jedenfalls sehr danach:
,, Ein Mann, der mit dem Bösen verbündet war, wettete, er werde umdie große, Rohrwiese mit einer, Wetz, das heißt ohne öfter als einmal zuwetzen, um und um hermähen. Damit er in der Wette verliere, stecktenseine Kameraden heimlich einen Reitnagel( vom Wagen) ins Gras. Der Mannmähte drauf los, hieb den Reitnagel wie einen Grashalm durch und voll-endete die Arbeit. Dann mähte er aber prahlerisch noch ein Stückchen weiterals bedungen und fiel plötzlich tot zusammen. Er hatte mit dem Teufel einebestimmte Strecke ausgemacht; als er sie überschritt, konnte der Teufel ihnholen" 232).
Das ist wohl vor allem der Bericht von einem bäuerlichen Wettmähen,das ein Starker gewann, und dabei im Übermut des Gelingens den Tod fand.Der plötzliche Tod, im Volk seit dem Eindringen der christlichen Sakra-mentslehre sehr gefürchtet, brachte die Mythisierung mit sich: nicht nur derTod, sondern auch die Leistung wurde dem Teufel zugeschrieben. Das Bünd-nis, das bei den Sagen von den mythischen Helfern ohne christlichen Habitusnur zum Zurücksinken auf das normale Niveau der Leistung führt, muß auf
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