Neben Bock, Bär und Eber spielt auch der Hund, von Mannhardt besondersals Roggenhund 207) verfolgt, eine bedeutende Rolle in diesem Zusammen-hang. Die Hundebezeichnung im Tiroler Brauch ordnet sich hier also durch-aus in den Kreis der Erntewesenvorstellungen ein.„ Mäusausläuten" da-gegen hat mit diesem Komplex nichts zu tun und bezieht sich nur auf denTon- und Geräuschcharakter des Sensenfeilens. Jedes hohe, winselnde Musi-zieren wird gern spöttisch mit dem Vertreiben der schrill pfeifenden Mäuseverglichen. Spott aber ist die Grundlage bei dem Wettmähen der Innviertlerund eine der Grundlagen wenigstens bei den neueren Tiroler Lockbräuchen.Das beharrt also wohl alles in geläufigem Bauernbrauch. Nur die ältesteAufzeichnung weicht davon beträchtlich ab, und zwar durch die Herein-ziehung der Saligen. Der Bauer will seine menschliche Helferin rufen undlockt merkwürdigerweise eine Gestalt aus der Außenwelt herbei. Daß diesaligen Frauen in der Tiroler Sage allenthalben gern hilfreich eingreifen 208),scheint mir dafür eine ungenügende Erklärung. Zwei Dinge müssen andiesem Sagenzug besonders auffallen: das Verständnis der Saligen für denSensenlockruf und ihre Kenntnis der Heuarbeit. Beides ist auf SüdtirolerBoden besonders wesentlich, weil hier, wie die Behandlung der Sensen-scheiden ergibt, eine besondere Pflege der Sense als Gerät üblich war, diesich nur aus einer sehr weit zurückreichenden Tradition erklären läßt. DieHeuarbeit und insbesondere die Verwendung der Sense muß hier sehr altsein. Vielleicht kann man daraus zurückschließen, daß deshalb die Saligendamit so besonders vertraut sind? Das wäre eine Anerkennung der bereitsmehrfach geäußerten Vermutung, daß Wesen wie die Saligen leibhaftigeErinnerungen der vorgermanischen, zumindest der vordeutschen PeriodenSüdtirols und wohl auch der benachbarten Alpenländer gewesen seien, An-gehörige einer Altbevölkerung, die mit der Heuwirtschaft bereits vertrautwaren. Diese rein volksgeschichtliche Theorie hat viel Wahrscheinliches fürsich. Sie würde in unserem Fall vielleicht bedeuten, daß die Altbevölkerungden Neusiedlern auch bei der für das Gebirgsland notwendigen Eingewöh-nung in die Heugewinnung behilflich war. Die Salige, die dem Bauern dasHeu wenden hilft, wäre dann eine Art Kulturheros.
Ein kleiner Überblick über das hochalpine Sagenmaterial ergibt, daß miteiner derartigen freudigen Hilfe der Saligen und aller verwandten Gestaltentatsächlich gerechnet werden kann. Von Graubünden bis Salzburg erzähltman Sagen, in denen derartige geheimnisvolle Helferinnen gerade bei derHeuarbeit sich beteiligen, und zwar oft mit besonderer Kenntnis geradedieser Tätigkeit; es sind also Heuerinnen, Recherinnen, Sennerinnen vonmythischem Format. Von West nach Ost lassen sich hier einige charakteristi-sche Beispiele nebeneinderstellen. So erzählt man in Guarda im ehemaligenChurrätien, daß ein Mann sein Heu habe einbringen wollen. Er hatte sichjedoch mit seiner Frau zerstritten und daher keine Recherin. Eine ,, Diale"half ihm aufladen. Er erkennt sie erst als solche, als sie auf dem Fuder steht:nämlich an ihren Ziegenfüßen, und denkt, es sei der Teufel. Wie ihn nundie Diale um seinen Namen fragt, sagt er ihr ihn vorsichtshalber nicht, son-dern nennt sich„ eng suess" als„, ich selbst". Sobald das Fuder geladen ist,sticht er der Diale die eiserne Heugabel durch den Leib und fährt davon.Die Diale schreit, andere kommen ihr zu Hilfe und fragen sie, wer ihr dasgetan habe. Sie muß entsprechend antworten„ eng suess", worauf die anderenbegreiflicherweise meinen:„, chi suess fa, suess gionda", was man selbst getan
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