Wetzstein nicht. Sepp muß seinen Kumpf mit frischem Wasser füllen undwährend dieser Zeit holt Mitza wieder einige, Riggla' auf 200)." Von derLandschaft der ältesten Aufzeichnung, vom Vintschgau aus, hat wieder ErikaHubatschek den Brauch nach verschiedenen Seiten hin verfolgen können undihn beispielsweise im inneren Passeier, auf den Stulfser Mahdern unweitdes Jaufen aufgezeichnet, wo er„ Bär' aufmachn" heißt, wogegen sie imStubai, also bereits in Nordtirol, die Bezeichnung„ Hund au'geign" auf-nehmen konnte 201). Dort überall herrscht also schon der Spottcharakter desBrauches vor, wie er auch aus den Aufzeichnungen der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts aus Tirol im allgemeinen hervorgeht, die auch die Be-zeichnungen ,, Hundmachen" oder„, Hundaufgeigen" überliefern. Mannhardtkonnte noch folgende Schilderung verwenden:„ Wenn die Roderin beimHeuausbreiten ihrem Mäher nicht nachkommt, wird ihr der Hund gemacht“oder„, der Hund aufgegeigt", indem man mit dem Wetzstein dreimal überdie Sense streicht und einen schrillen Ton hervorlockt. Dasselbe geschieht,sobald die Mäher mit dem Mähen fertig sind 202)." Die letzte AufzeichnungMannhardts wiederholt sich sonst in keinem Bericht. Ich bin mir daher nichtganz sicher, ob Mannhardt hier nicht, beeindruckt von seinem Material überdas niederdeutsche Sensenstreichen, das ja weitgehend ein Beendigungs-brauch ist, diesen Zug auf das Tiroler„ Bockfeilen",„ Hundausgeigen" oder,, Roderinnenlocken" übertragen hat. Der Charakter der Verspottung derHeuwenderin aber ist in Mannhardts Bericht bereits gegeben und nach denneueren Aufzeichnungen vom Kärntner Nockgebiet über Osttirol bis zumStubaital zu schließen, zweifellos echt.
In neuerer Zeit ist der Brauch auch außerhalb Tirols und Kärntens auf-gezeichnet worden, und zwar in verschiedenen Teilen von Oberösterreich.Im Innviertel wird das Streichen des Wetzsteines auf dem Sensenrückenbeim Wettmähen der Schnitter angewendet und heißt in örtlicher Verschie-denheit„ Sengsfeilen",„ Mäusausläuten" oder auch„ ,, Bärenschneiden" 203). ImSteyrtal ist der Brauch dagegen wie in Tirol bei der Heuarbeit üblich undheißt dort ,, Grasbockabstechen" 204).
Mannhardt hat sich mit dem Brauch vor allem von der Seite der Be-nennungen her beschäftigt, und zwar wegen der darin enthaltenen Tier-namen. Die neueren oberösterreichischen Belege gesellen sich sehr gut in dieGesellschaft, die Mannhardt als maßgeblich für diese Benennungen erachtethat, nämlich in die Gruppe der theriomorphen Vegetationsvorstellungen.Getreidegarbe, Heuschwaden, und besonders die jeweils letzten davon aufdem Felde tragen in ganz Europa oft Tiernamen 205). Am häufigsten istdarunter der Bock. Das Villgratner„ Bockfeilen" und das Steyrtaler„ Gras-bockabstechen" gehört alles jedenfalls hierher, in beiden Fällen ist der Heu-haufen gemeint, auf dem der Mäher steht.„, Feilen" und„ Abstechen" beziehtsich zunächst auf das Erzeugen des schrillen Tones, das Abstechen abersicherlich auch auf den„ ,, Bock", wie das Mähen der letzten Garbe oderSchwade allenthalben als Tötung aufgefaßt wird.„, Bärenschneiden" gehörtauch hierher, die Garbe oder Schwade wird als Bär angesprochen, dasMähen als seine Tötung, das Sensenstreichen als sein ,, Schneiden", das heißtKastrieren. Dabei handelt es sich offenbar nicht um einen eigentlichen Bären,sondern um einen Saubären, also einen Hausschweineber, denn nur dessenKastrierung spielt im bäuerlichen Denken eine Rolle 206). Möglicherweisevermittelt der schrille Ton des Sensenfeilens dabei die Ebervorstellung.
4 Schmidt, Gestaltheiligkeit
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