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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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schen Westeuropa. Die Eingliederung der Summe dieser Einzelzüge in dieGruppe der Kultbräuche an sich wird aber dadurch nicht berührt.

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In manchen Fällen tritt auch hier die Sense an die Stelle der Sichel, imBrauch also ebenso wie in der täglichen Übung das ältere Gerät ablösend.Besonders das Köpfen des bis an den Hals eingegrabenen Hahnes wird invielen Fällen mit der Sense durchgeführt 120). Dabei ist auf diese Tötungsart,das Köpfen mit der Sense, wohl besonderes Gewicht zu legen. In Mittelasienkam derartiges auch als Menschenmarter vor 121), und vielleicht steht dieserMarter- und Kultbrauch auch als tatsächlicher Hintergrund hinter mehrerenHeiligenmartyrien 122). Es gilt dann übertragenermaßen hier das gleiche, wasschon zu dem Schindmartyrium des hl. Bartholomäus zu sagen war: derTötungsritus als Opferbrauch, und als geheime.Sinngebung hinter beiden einlunarer Tod- und Auferstehungsglaube. In manchen Fällen, wenn auchsicherlich nicht in allen, dürfte das Köpfen mit der Sense nicht nur als kom-plizierte und raffinierte Tötung, sondern eben vielleicht auch noch als etwasanderes anzusehen sein, nämlich als ein komplizierter Ritus, der sich einer-seits auf den Kopf als besonders wichtiges, vielleicht mythisch gewertetesObjekt bezog, bei den Sensenheiligen wird im II. Teil davon noch ge-sprochen werden müssen, und dementsprechend als Ernteritus, als dasMähen von Köpfen, gewissermaßen von Menschenpflanzen. Man kann dabeidas mythische Bild der Tötung der aus der Saat der Drachenzähne entspros-senen Riesen durch Iason in der Argonautensage zum Vergleich heranziehen.Außer in diesen Fällen kann man von einer Bedeutung der Sense als Opfer-gerät wohl nicht sprechen. Mit diesen Ernteopfern, beispielsweise derKöpfung des Hahnes in der Picardie und der Tötung des Widders in Böhmen,den man ebenfalls bis an den Hals in die Erde eingräbt und dann mit derSense tötet 123), ist aber doch wohl auch für sie ein beträchtliches kultur-historisches Alter als Opfergerät gegeben. Vielleicht ist die Heranziehungder Sense als kultisches Mähgerät schon für die Kelten anzusetzen. Es dürftesich dabei um die zweigriffige Langstielsense handeln. Bei den erwähntenmittelasiatischen Tötungssitten wird man dagegen eher an die östliche Formder Kurzstielsense, vielleicht die sogenannte kaukasische Sichel" zu denkenhaben 124). Wir kennen die brauchtümlichen Funktionen der einzelnen Grup-pen der Kurzstielsensen noch zu wenig, dürfen sie aber auch nicht außer achtlassen.

Mannhardt hat mit den blutigen Ernteopfern auch die Schnitterbräuchedes angedrohten Tötens des Bauern, des Abmähens der Kohlköpfe imBauerngarten bei der scheinbaren Weigerung des Hofbesitzers, den Schnit-tern ihren Erntetrunk zu zahlen, und die verwandten Bräuche hierher-gestellt 125). Die Gleichsetzung der Kohlköpfe mit Menschenköpfen ist imBereich der volksmäßigen Gestaltvorstellungen durchaus möglich, dochglaube ich, daß Mannhardt die Verhältnisse zu sehr seiner Theorie von derIdentität der menschlichen und der pflanzlichen Fruchtbarkeit, von der Per-sonifizierung des Vegetationsdämons" durch den Gutsbesitzer, zuliebe kom-pliziert hat. Wenn die Schnitter drohen, die Kohlköpfe abzumähen, so wollensie dabei kaum die Bauernfamilie als Träger der Fruchtbarkeit töten. Ob-gleich es verwandte Dinge gibt, beispielsweise rings um alle Kastrations-drohungen, so wird eine solche Tötungsdrohung doch am ehesten mit denFormeln der Heischescharen zu vergleichen sein, die bei Nichterfüllung ihrerHeischegabenwünsche mit den verschiedensten Schädigungen des Hauses und

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