den Blitzschlag schützen sollte 47). Ob das schon ursprünglich so gemeint war,läßt sich der bereits hundertjährigen Aufzeichnung nicht mehr abgewinnen.Es könnte aber doch sein, daß es sich wie in der nahen Schweiz und inFrankreich, aber auch in Niederösterreich darum handelte, nicht etwa denBlitz anzuziehen, sondern die im Wetter einherfahrenden Hexen zu ver-wunden. In Uri legte man eine Axt oder eine Sense in die Dachtraufe, umdie hagelbrauenden Hexen zu verletzen 48). Und in Graubünden hat man,, an vielen Orten in solchen Sturmnächten scharf gewetzte Sensen mit derSchneide nach außen an den bestürmten Wänden der Häuser befestigt, damitdie heranfliegenden Hexen sich daran verwundeten oder gar aufspießten" 49).Ähnliche Züge sind weiter verbreitet. In Kärnten galt es als gutes Mittelgegen Hagelschlag, daß man eine Sense und einen Rechen über Kreuz, oderein Kruzifix auf einen Kreuzweg legte. Das letzte Mittel soll auch anhalten-den Regen abwenden 50). Da werden also die altheiligen Erntegeräte mit deneigentlichen Zeichen des Kirchenglaubens zusammen genannt, zusammenverwendet, sie können sich gewissermaßen im Wetterzauber gegenseitigvertreten. Aber der Sense hat man zweifellos immer noch eigens zugetraut,daß sich die Wetterhexen eben daran verletzen könnten. Das gilt auch fürdie Schweiz, wo man mehrfach berichtet, daß man die Sensen kreuzweisemit der Schärfe nach oben ins Freie legte. Mitunter, so wieder in Uri, legtendie Männer Sensen mit der Schneide nach oben während des Gewitters aufdas Hausdach. Das Unwetter verzog sich, und gelegentlich baten dann dieHexen, dies doch zu unterlassen; weigerte man sich und ließ die Sensenoben, dann waren sie beim nächsten Wetter mit Blutstropfen besäet, dieHexen hatten sich also tatsächlich daran verletzt 51). In anderen Fällenerzählte man auch, falls ein Hagelstein auf die Sense darauffalle, höre derHagel auf 52). Das ist ein öfter wiederkehrender Zug in diesen Zusammen-hängen. Auf der Alp Laue im Schächental wußte man sich gegen ein schweres,durch Behexung entstandenes Unwetter nicht mehr zu schützen. ,, Endlichwarfen sie Sensen vor die Hütte hinaus und sogleich legte sich das Wetter 58)".In anderen Fällen hilft freilich auch dieses Mittel nichts, vielleicht, weil dasSchnittgerät nicht der geeignete magische Gegenstand bei den zu bannendenUnwetterarten war: Durch das Bachtal zu Wytterschwenden ging eine,, grausige Rübi", also ein schwerer Erdrutsch, ein Steingerölle, nieder. ,, Esnutzte nichts, daß der alte Kluser eine Sense hineinwarf", erzählten dieLeute später 54). Das bezeugt aber immerhin den Glauben, daß die Senseals letztes Mittel auch gegen derartige, wohl auch personifiziert gedachteUnwettermächte angesehen wurde.
Auffällig ist bei alledem das Vorwiegen der Sense. Sie hat nichts mitden am Wetter beteiligten Hexen zu tun, wie sich aus dem nächsten Ab-schnitt ergibt. Hexen können durch Sensen wie durch Sicheln vertriebenwerden. Das Wetter dagegen kann man mit der Sense rufen und bannen.Man möchte meinen, daß diese besondere Wertung der Sense mit der Heu-arbeit zusammenhängt, welche die Beobachtung des Wetters in weit höheremAusmaß erfordert als die meisten anderen bäuerlichen Arbeiten. Damitwürde dann auch die starke Konzentrierung der Sensen- Wetterbräuche aufdas Alpengebiet übereinstimmen, in dem die Heuarbeit von besonderer Be-deutung ist. Aber auch die Geschichte der Sense, ihre im wesentlichen kel-tische Herkunft, steht vielleicht wenigstens zum Teil noch hinter dieserGruppe der Glaubensvorstellungen um die Sense.
2 Schmidt, Gestaltheiligkeit
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