imstande zu sein, das Futter, das sie schneidet und das durch die drei Halmerepräsentiert wird, den Winter hindurch nicht ausgehen zu lassen, sie ist es,die fördernd wirkt.
Unter diesen Umständen kann sie nicht nur die ihr nahestehendenDinge, wie das Heu, fördern und bewahren, sondern auch andere Erschei-nungen. Aus Sagnitz, Kreis Dorpat, in Estland, ist eine Schatzsage über-liefert; an der Stelle von Sagnitz soll einst eine Stadt gestanden sein. ,, Einstan einem Sonntagnachmittag ging eine Frau ans Seeufer, um sich Heu zuholen. Da erblickte sie am Abhang des Ufers ein blaues Feuer. Als sie sichnäherte, verschwand es, statt dessen lag da ein großer Haufen Geld. DieFrau warf ihre Sichel auf das Geld, ging nach Hause, und rief andere Leutehinzu. Als sie zurückkam, war der Schatz verschwunden, nur unter derSichel lag noch Geld. Die Frau nahm Sichel und Geld, und ging nach Hause" 35).Mittel zur Bewahrung von flüchtig erscheinenden Schätzen gibt es im Volks-glauben viele. Bei ihrer Erzählung in der Sage erscheint es wesentlich, daßdie betreffende Person stets weiß, welches sie anzuwenden hat. GeweihteDinge, im Sinne des kirchlichen Benediktionswesens, erfreuen sich in katho-lischen Landschaften dabei besonderer Beliebtheit. Sie sind zweifellos nurdie Nachfolger von anderen gegenständlichen Begleitern des Menschen, dieihm gleichfalls als machterfüllt gegolten haben müssen. Es ist sicherlich keinZufall, daß die estnische Frau hier ihre Sichel dazu verwendet, sie muß sieals„ heilig" anerkannt haben ,,, heilig" als das Heilwirkende aufgefaßt.
Nur lose scheint mir die eigentümliche steirische Sage von den Zwergenhierherzugehören, deren Netz sich an der Sense eines Bauern fing. ,, Unweitvon Krieglach mähte ein Bauer frühmorgens auf seiner Wiese. Da fühlte er,wie die Sense schwer wurde. Er sah nach: ein Netz mit winzigen Zwergenhing daran. Sie baten, losgelassen zu werden, und schenkten dem Bauerndafür Geld. Das Netz sollen die Zwerge für den Fang schlechter Menschenbenützen" 36). Hier ist anscheinend eine ganz eigene Erzählung aus der Weltelbischen Wesens an den Glauben der besonderen Macht der Sense angehängtworden. Sie ist jedenfalls der Umweg zum Gewinn eines Schatzes, und damitnur fördernd. Mit einem profanen Gerät, wenn man so sagen kann, wäre dasZwergennetz kaum zu fangen gewesen, möchte man also meinen.
Von diesen Voraussetzungen aus betrachtet man auch den großen Kom-plex der Vorstellungen und Bräuche ganz anders als bisher, die sich umWöchnerin und Kleinkind ranken und mit den Ernteschnittgeräten verbun-den sind. Die Beigabe von Metallgegenständen, insbesonders von Schneid-geräten in die Wiege, unter den Kopfpolster, in das Bett im allgemeinen,ist so sehr üblich gewesen, daß man zunächst nur mit Abwehrglaubensvor-stellungen rechnen möchte. Von den Ernteschnittgeräten aus gesehen, kannes sich aber doch auch anders verhalten, und zunächst die fördernde Seitebetont werden. In Anhalt heißt es beispielsweise, wenn eine Wöchnerin vielNachwehen hat, so steckt man ihr eine Sichel ins Bett. Alfred Wirth hatdazu gemeint, daß man offenbar in dem Glauben handle, daß die Schärfeder Sichel den schneidenden Schmerz bannen solle 37). Das wäre ein Analogie-glaube, wie er sicherlich vielfach vorkommt. Aber vergleicht man damit, daßeinem Kind, das Leibschneiden hat, gleichfalls in Anhalt ein Messer ins Bettgelegt wird, so wird man den Unterschied gewahr 38). Das wäre nun dochwohl die Auswirkung des gleichen Glaubens, aber immerhin nicht das glei-che Mittel. In Baden ist ein ganz ähnlicher Glaubensbrauch üblich, der noch
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