ihrer kartographischen Methode einen neuen Schritt dazu. Dann wäre diesein Zeichen, daß die viele organisatorische und akademische Arbeit, welchedie Volkskunde im letzten Vierteljahrhundert geleistet hat, doch auch indieser Hinsicht nicht verlorene Mühe gewesen wäre. Ruckartige Erkenntnis-fortschritte wie sie die„ Bauernkunst" 10) und die„ Marksteine der Volks-kunst 11) von Spieß bedeuten, bleiben in einem größeren Kreis solangeunverstanden, bis sich die methodische Forschung wieder soweit durch-gearbeitet hat. Und das pflegt ja fast stets etwa ein Vierteljahrhundert zudauern.
Keinerlei Nutzen scheint mir dagegen das Stehenbleiben auf hergebrach-ten Erkenntnis- oder gar nur Kenntnisstufen zu bringen. Wer sich an seinerStoffkenntnis genügen läßt, der scheidet an einer bestimmten Wegkurve deswissenschaftlichen Fortschrittes aus der Bahn der Weiterstrebenden aus. DerFortschritt sieht in der Wissenschaft immer anders aus, als sich die meistenam Wege Arbeitenden vorstellen. Er kann sogar manchmal das Antlitz einerverjüngten älteren Periode tragen. Gerade in der Volksglaubensforschunglösen unaufhörlich Perioden einer realistischeren und einer romantischerenRichtung einander ab, und mitten im Streben einer sich sachlich fühlendenZeit kann eine neue Form der Romantik den wirklichen Fortschritt bedeuten.Freilich: eine neue Form. Denn die alten pflegen dann schon stets weit hinterden Schritten jener zu liegen, die sich auf dem Weg neuer Erkenntnis wissen.Genau so steht es um den Wechsel der Tendenzen, welche einmal der Volks-kunde ein Wirken in der Gegenwart zuschreiben wollen, das andere Ma!sie mit möglichst reicher historischer Ausstattung zu begaben gedenken. Inglücklichen Fällen werden sich fruchtbare Verbindungen ergeben. Wennaber die Zeit zur Erkenntnis größerer Ganzheiten reif ist, dann waren allediese Bestrebungen nur Hilfsmittel, und große Einblicke werden ganzeEpochen überschauen müssen, die in den wichtigsten Eigenzügen ihrer Volks-kultur einheitlich waren.
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Es bleibt mir noch übrig, jenen Einrichtungen und Persönlichkeiten zudanken, die am Zustandekommen dieser Studien Anteil genommen haben.Ich habe Teile davon zunächst im Schlern" 12) und in den„ Mitteilungender Anthropologischen Gesellschaft in Wien" 13) veröffentlichen können, unddanke beiden Redaktionen dafür, daß sie diese Arbeiten zuerst bekannt-gemacht haben. Die beiden Studien sind in erweitertem Umfang in denI. Teil dieses Buches aufgenommen worden. Weitere Einzelstudien zu ver-schiedenen Ernteschnittgeräten, die sich mir im Lauf meiner Arbeit an demvorliegenden Buch ergeben haben, die aber nicht mit seinem Hauptthemazusammenhängen, also vor allem die Studien über die„ Kurzstielsense" 14)und über die„ Gestellsense" 15) habe ich hier nicht aufgenommen.
Zu besonderem Dank bin ich der Musealabteilung des Bundesministe-riums für Unterricht verpflichtet, das meinen Entschluß, eine eigene Ver-öffentlichungsreihe des Museums für Volkskunde zu gründen und dieseArbeit als ihre erste Publikation herauszugeben, begrüßt hat und materiel!unterstützt. Von allen Helfern, welche die Arbeit auf dem Wege der Buch-werdung gefördert haben, danke ich insbesondere meiner lieben Frau, diesich wie schon so oft der Mühe des Mitlesens der Korrekturen und derAnfertigung des Registers unterzogen hat.
15. September 1952.
Leopold Schmidt.
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