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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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breitungsgebieten nach voneinander getrennt sind und daß die allfälligenBerührungszonen der Verbreitungsgebiete unmittelbar zu Schlüssen auf Ent-stehung und Herkunft der jeweiligen Erscheinungen auffordern und mit-unter wohl auch schon auf Lösungsmöglichkeiten der damit aufgeworfenenProbleme hinweisen können. Das ist bei kleineren Räumen, beispielsweisebei Ländern mit engen historischen Grenzen, schwierig, weil alle auf Lö-sungen hinzielenden Verbreitungslinien über diese Schranken hinauswei-sen werden. Bei größeren Räumen, bei Erdteilen oder großen organischenGliedern von solchen, ergeben sich dagegen die Aufschlüsse derartiger karto-graphischer Darstellungen recht eindrücklich. Bei ihnen ist auch die sonstgewiß wünschenswerte Vollständigkeit oder zumindest große Belegdichtebei weitem nicht so wichtig als bei den Darstellungen kleiner Räume. Er-scheinungen von europäischer Bedeutung lassen sich auch mit wenigen Be-legen in großen Zügen für den ganzen Kontinent darstellen, und zeigen ihreBedeutung gerade im dialektischen Gespräch mit verwandten, aber andersverbreiteten Erscheinungen auf der gleichen Karte. Besonders stark wirdall dies spürbar, wenn die kartographische Darstellung Erscheinungen derSachkultur und der geistigen Überlieferung nebeneinanderstellt. Da kanndie Kongruenz von Verbreitungsgebieten unter Umständen das Gewicht eineshistorischen Beweises erhalten. Die Karten der Sichel- und Sensengestaltenim II. Teil der vorliegenden Untersuchungen sind in diesem Sinne gemeint.Was also zunächst bei den Sichel- und Sensenscheiden versucht wurde,soll nun ähnlich für verschiedene Einzelfragen des ganzen hier berührtenFragenkomplexes mit den folgenden Untersuchungen gleichfalls erreichtwerden. Ein sehr großer Teil des Stoffes entzieht sich freilich noch einerderartigen methodischen Behandlung; bei ihm muß es zunächst wohl ge-nügen, ihn wenigstens in den Umkreis der Hauptfragen gerückt zu haben.Bei einem anderen Teil aber haben sich doch die Verbreitungsdaten bereitssoweit sichten lassen, daß die dialektisch- kartographische Erörterung möglicherschien. Die beigegebenen Karten sollen, wie jene ersten, nur als Versucheaufgefaßt werden, in die Erörterungen derartiger Stoffe einmal eine neueMethode hineinzutragen. Die vielfach spürbare Unvollständigkeit und Un-zulänglichkeit des Materials erlaubt noch nicht mehr. Vielleicht wird aberdie Brauchbarkeit der Methode mit der Vervollständigung der Stoffkenntniswachsen, und so der sachlichen wie der methodischen Forschung gedient sein.

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Schließlich will ich nur noch andeuten, aus welchen Bereichen sich meineStudien in diese Richtung gelenkt haben. Ich habe für den Drang, die groß-artig gesammelten Stoffe unserer Disziplin durch immer erneute Unter-suchungen zu erschließen, vielen Anregungen zu danken. Insbesondere warenes die großen Mythologen, die mir den Weg wiesen. Hauptsächlich aber hatmich seit früher Jugend die speziell in Wien betriebene Form einer völker-kundlich und religionswissenschaftlich vertieften Mythenforschung angeregt.Wenn wir in den letzten Jahrzehnten, ja schon seit Mannhardt, in der Glau-bens- und Brauchforschung überhaupt von einem Fortschritt sprechen kön-nen, einem Fortschritt nicht in der Stoffsammlung, die ja immer wieder halbabsichtslos bereichert wurde und wird, sondern von einem Fortschritt in derErkenntnis, dann ist dieser, soviel ich sehe, am ehesten hier in Wien in dervon Karl Spieß geleiteten Mythologenschule erzielt worden). Vielleichtbringt die hier vorgeschlagene Herkunfts- und Verbreitungsforschung mit