Originaltitel:
Paẞio Domini
PROLOGUS
Vil Wolfart und glückselige ZeitWinsch ich einem ieden in Sonderheit.Es hat ein ieder schon vernomen,Warumb wir ietz zusamen komen.5 Ein löblicher Brauch ist in der Welt,Daß man ein Zeit für die ander heltIn Singen und ihn Saiten spil,Das ein iedes hat sein sonder Zil.
Auch Weinen und Trauren hat sein Zeit
10 In diser werden Christenheit,
Dan also habens auch die AltenVor etlich hundert Jarn gehalten.Diser gebrauch ist noch angehm ¹)Bei uns alten Catolischen,
15 Dan ietzt, wie menigklich wol bewist,Kein Zeit zu frölichen 2) Dingen ist,Sonder daß wir uns nur alleinDas Leiden Christi recht bilden einIn aller Forcht und Danckhbarkeit,In Demut und Gottsförchtigkeit.Dise Zeit aber, wie euch bekant,Die wirt die Martterwoch genant.
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In diser Woch ein iedes Menschen KindtAuffstehn soll von dem Schlaff der Sünd,25 Sich schickhen mit eim Ernst zu GottNach der christlichen Kirchen gebott,Damit er sich in diser Sach
Des Leidens Christi theilhafftig mach,Auff das aber der gemeine Man
30 Christi Leiden recht betrachten kan,
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So bin ich als ein Trauriger komenUnd hab mir dises fürgenommen 1*),Den Passion Tragedi weis
Euch fürzutragen mit allem fleis,Auẞ welchem alle, groß und klein,Ermessen kennen die schwere Pein,
Die Christus willickhlich glitten hatUmb unser aller Missethat.
Weil aber der Passion, wie ihr wol wist,
1) Statt angenehm.
2) Ursprünglich: weltli( chen), durchstrichen.
1*) Ahnlich Wackernell, a. a. O., S. 388, Vers 1371.
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