würde sie sich für die sogenannten Spielprozessionen nicht geeignet haben, ohne daßsie umgearbeitet worden wäre.
In gleicher Weise erscheint es als vergebliche Mühe, etwa in späteren Passions-spielen direkte Spuren der Passio suchen zu wollen. Wortanklänge, ja Ähnlichkeitenganzer Verszeilen und Reime, lassen sich ebenso wie bei vorausgehenden Passionsspiel-texten auch bei nachfolgenden aus der Gleichheit des behandelten Stoffes und die gleich-artige Übersetzung der biblischen Texte erklären. So sind wir keineswegs in der Lage,die Geiger'sche Passio in einen Stammbaum einzuzwängen, was dafür spricht, daß derVerfasser in der Lage war, eine selbständige Dichtung von eigenständigem Typus zuschaffen. Mit der von Kretzenbacher herangezogenen, aus Admont stammendenComoedia vom Leyden Christi kann sie zu den bedeutendsten Dichtungen der Zeit nichtnur der Steiermark, sondern auch des südostdeutschen Sprachgebietes gezählt werden.
B. Das DREIKONIGSSPIEL
Wie schon in der Einleitung zur Passio domini Johannes Geigers gesagt wurde, be-findet sich in der gleichen Handschrift, die diese überliefert, auch ein Dreikönigsspielmit dem Originaltitel: Dialogus in epiphania domini. Dieses umfaßt sechs Blätter einesBogens, von dem zwei Blätter, das 1. und 8. fehlen. Das erste erhaltene Blatt enthältauf S. 91 der ganzen Handschrift den Anfang der auch bereits angeführten Actiocomica de S. Theophilo, dessen Schreiber mir unbekannt ist. Wie das Schriftbild ergibt,handelt es sich um ein Konzept. Hat dieser Torso des Theophilus- Spieles für uns weiterkeine Bedeutung, so zeigt er doch, daß man sich in St. Lambrecht auch für diese Gattungdes Schauspieles interessierte ¹).
Auf Seite 92 der Handschrift beginnt das Dreikönigsspiel, das den von JohannesGeiger selbst geschriebenen Titel trägt: DIALOGVS IN EPIPHANIA Domini, mit demAuftritt König Melchiors. Es scheint nun dieser unvermittelte Beginn dem Dichter nichtgefallen zu haben, denn er schrieb nach Schluß des Stückes mit einem NB am Randeeine Szene nieder, die jene Lücke ausfüllen soll. Dabei läßt er zwei Hirten mit NamenGabriel und Jackerl ein Gespräch mit Maria führen, das sofort wieder einer auch beimPassionsspiel vorkommenden Eigenheit Geigers entspricht, durch Hinweis eines Rollen-inhabers auf eine neue Szene aufmerksam zu machen, wodurch die Überleitung wie vonselbst geschieht. Auch Maria wird in diesen Dienst gestellt, indem sie ihre Angst aus-spricht, die sie vor den Ankömmlingen hat 2). Mit dem Bemerken:„ Ietzt redt Melchiorut supra" wird nun dieser redend eingeführt. Er tritt mit seinem Hofgesinde( V. 38)aber nicht zum haus hin", sondern deklamiert vor dem„ haus", bis die Spielanweisungihm den Zutritt zum Kindlein" gestattet( V. 32). Ursprünglich stand in der Anweisung„ zur Krippen", wurde aber von Geiger selbst in:„ Und geth zum Kindlein" abgeändert,was wohl für die Aufführung von einiger Bedeutung gewesen sein dürfte. Es hat denAnschein, als hätte Geiger zunächst eine in der Kirche aufgestellte Weihnachtskrippeim Auge gehabt, während er doch schon an eine gesondert aufgestellte Krippe, die erspäter auch„ Bett" nannte, in das das Jesukind gelegt wurde, dachte, um das sich dasganze Spiel entwickeln sollte.
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1) In Garsten wurde unter Abt Wilhelm Heller( 1601- 1613) auch ein Theophilusspiel aufgeführt.Als Verfasser von Schuldramen in den ersten Jahrzehnten werden von K. Schiffmann, Drama etc.,S. 44 genannt Prior Jakob Sauter, Nikolaus Prudentin und Kaspar Plauz. Vielleicht bestehen Beziehungenzwischen dem Garstner Theophilus und dem Fragment in St. Lambrecht.
2) Das Angstmotiv findet sich außer in unserm Spiel( V. 8-10) auch im Gmundener Dreikönigsspielbei W. Pailler, Weihnachtslieder und Krippenspiele aus Oberösterreich und Tirol, II.( 1883), S. 322 ff.
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