Rollen aufgeteilt sind 104). Wiederholt, ja wie absichtlich werden Reimpaare durch denRollenwechsel auseinander gerissen 105).
b) Wörter und Wendungen
Das Spiel war sicher in der Mundart vorzutragen, die auch die Gebildeten sprachenund verstanden, anders lassen sich die besprochenen Reime nicht erklären und auch diedialektischen Ausdrücke werden keine Schwierigkeiten bereitet haben, ja nicht einmalaufgefallen sein. Im heutigen Sinne von Dialekt wollen aber manche Wörter und ganzeRedewendungen beachtet werden, von denen folgende angeführt seien: V. 914: DerHacken welln wir schon ein stil finden; abtrangs thon V. 531 106); blinde Meis V. 898;gute büff und gute biren V. 980; fauzen V. 990; frimer V. 650; goschen V. 1228;grindt V. 732; grotten, s. ratt haben, lohn, lot V. 935 f.; gehei dich fort V. 1289;mein V. 896; ratt haben V. 246; sehin V. 586; sein, seind, sendt V. 110; tricknenV. 1481; ungeheit V. 1031; unsinnig V. 1019; verjehen V. 422; wern, wir, wirtVV. 172, 357; zuhi V. 1369.
Wie erwähnt, streut der Dichter an hiezu besonders geeigneten Stellen Derbheitenein. Besonders zahlreich sind die Schimpfwörter auf Christus: aufrürer V. 684, zaubrischdieb V. 726, Zauberer V. 867 u. ö., Narr V. 1033 u. ö., Narrenkönig V. 1510, zaube-rischer Maußkopf V. 1028, Vogel V. 1089. Ebenso sind Schmähungen und Spottredensehr häufig 107). Durchaus diesem Milieu angepaẞt sind Stellen wie V. 990: blogts ihmmit fauzen umb und umb, oder V. 1330: daß ims blut übern buckel abilaufft oder auchV. 1387: hot mer gelt alß ich freẞen kan. Als banal zu gelten hat V. 80, 1255: Biß sieihm machen den garaus. Das ist aber keineswegs eine Eigenart der St. Lambrechter Passio,sondern ist in allen derartigen Spielen gebräuchlich. Das gläubig zusehende Volk nahmes im richtigen Sinne auf und wurde zum Mitleid mit dem beschimpften Heiland ge-rührt, es wurde eher zum Weinen als zum Lachen veranlaßt, wie dies wohl heute derFall sein könnte, je nach der Beschaffenheit des Publikums.
Fremd- und Lehnwörter sind sehr selten. Ich erwähnte„ Losament" in den Spiel-anweisungen, wo er als terminus technicus die Bedeutung von Bühnenstand hat, der deneinzelnen Schauspielern zugewiesen ist. Einmal steht dafür auch der Ausdruck ,, Haus"z. B. in Caiphas hauß, was daran erinnert, daß öfters auf einem Platz gespielt wurde,an dem einzelne Häuser den Rollenträgern als Warteplatz zugewiesen waren, bis sie auf-treten konnten. Sprachlich hängt der Ausdruck ohne Zweifel mit locus, locatio( Stand),französisch logement, italienisch loggiamento zusammen. Ein zweites Wort, das auchheute noch im Dialekt gebraucht wird, ist„ Plarament"( V. 1502), das gewiß vonplärren abzuleiten ist. Andere sind allgemein verständlich, so Tribut, Mirakel, Spektakel,traktieren. Auffällig ist die gute Kenntnis von Ausdrücken aus der Gerichtspraxis, wieexaminieren, Sentenz, das Urteil exequieren. Es kann demnach festgestellt werden, daßeine übermäßige Anwendung fremder Sprachelemente nicht vorkommt, was der Dich-tung Geigers nur zum Vorteil gereicht.
104) V. 1784, 1787, 1795, 1807.
105) V. 177 f., 244 f., 252 f. usw. Im Donaueschinger Passionsspiel kommt dies nicht vor. In TirolerPassionen findet sich diese Art nur sporadisch, meistens nur dann, wenn auf einen Sprecher nur ein Versfällt. Beispiele bei Wackerne 11, Altdeutsche Passionsspiele aus Tirol, z. B. bei der Würfelszene imPfarrkirchner Passion V. 170- 186, im Dialog Ruben und Ipokras des Haller Passions( III. Spiel)V. 1401- 1413 und im Vorspiel V. 250 f., sowie im Nachspiel V. 1- 6, 29 f., 155- 158.
106) Die Nummer gibt jeweils den Vers an, bei dem die Worterklärung zu finden ist.
107) Vgl. besonders VV. 897, 900, 983, 1018 ff., 1332, 1334, 1349, 1371 f., 1382 f., 1884 f.,1517 ff.
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