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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
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es sich dabei um bestimmte Personennamen handeln könnte, geht daraus hervor, daßGeiger einmal und zwar bei Vers 1620 zum Namen Schober den Vornamen Veit setzt.Die anderen Namen lassen sich in St. Lambrecht zwar nicht nachweisen, aber Klingen-beck ist ein heute noch vorkommender Familienname. Der Name Membart ist mir aller-dings unbekannt. Ein eigenes Bewandtnis dürfte es jedoch mit der Bezeichnung Scribahaben. Sie bezieht sich zwar auf die Rolle eines Schriftgelehrten( scriba), doch fällt esauf, daß er gerade diesen Namen erwähnte, der sonst als Gattungsname auch anderswogebraucht wird 94). In der Passio Geigers könnte doch als Träger dieser Bezeichnung einebestimmte Person in Frage kommen, die sich zufällig nachweisen läßt. Ein Jahr vorJohannes Geiger trat in St. Lambrecht ein Bayer namens Scriba ein 95). Es ist nicht aus-geschlossen, daß Geiger diesen wirklich im Auge hatte und damit ein wenig Bosheitverband. Es dürfte zwischen beiden zu Reibereien gekommen sein. Die allerdings erstspäter erfolgte, S. 2 zitierte Bemerkung Scribas in der Taufmatrik von St. Lambrechtdürfte einen solchen Schluß rechtfertigen. Zumindest war es eine Neckerei, wenn nichteben ein versteckter Spott des katholischen Bayern gegenüber dem evangelisch gewesenenDinkelsbühler im Fränkischen vorliegt. Eine solche Einstellung, falls sie wirklich an-genommen werden kann, ließe die Zuweisung der Rolle eines jüdischen Schriftgelehrtenund Verbindungsmannes mit Judas( V. 542) von seiten Geigers an Scriba im seltsamenLicht erscheinen. Sei dem jedoch wie immer, die Rollenbezeichnungen durch Geiger sindganz individuell aufzufassen, so daß sich die Originalität der Dichtung Geigers klarherausstellt.

7. Sprachliche Eigentümlichkeiten

a) Reim und Vers

Der Verfasser der Passio handhabt den Reim im allgemeinen ziemlich gut. Wieder-holungen sind zwar häufig, doch gibt es auch ganz originelle Reime. Von paarweisenReimen wird nur zweimal abgewichen 96). Verhältnismäßig häufig sind Reim- und Vers-weisen 97). Die Rufe der turba stehen für sich allein 98), wie es auch in anderen Spielenvereinzelt vorkommt 99). Im Gebrauch der Reimart, ob stumpf oder klingend, ist keineRegelmäßigkeit zu beobachten. Was den Lautwert der Reime anlangt, besteht keine Kon-sequenz, was den allgemeinen Brauch ähnlicher Dichtungen entspricht; manches wirdwohl auch auf die Eigenart des Schreibers, besonders des Fr. Wolfgang Andreas Waschl,zurückzuführen sein 100). Ziemlich häufig finden sich Assonancen 101). Rührende Reime

94) Vgl. J. E. Wackernell, Altdeutsche Passionsspiele aus Tirol(= Quellen und Forschungenzur Geschichte, Literatur und Sprache Österreichs. I. Bd.), S. 486, Anm. 3, Vers 2561: Chuneus scribaan Stelle des Magister sinagoge.

95) S. oben S. 11. Dazu N. Zechner, Verzeichnis etc. unter Georgius Scriba.

96) Verse 256- 258, 433-455.

97) Verse 129, 424, 682, 701, 950 usw.

98) Verse 1396, 1436, 1438, 1443, verworren 1314 f.

99) Z. B. Donaueschingen 2378, 2822, 2825.

100) Folgende Zusammenstellung soll die Vielgestaltigkeit der sprachlich interessantesten Reime auf-zeigen. Die dialektische Aussprache ist dabei besonders beim a- Laut in Betracht zu ziehen.

an: gahn( gehen), han( haben)

=

kan( n): thon, passion, sohn

kon( kann): sohn, s. kan

a

hon, plan, schon, sohn, verstahn(-stehen)= stohn, thon( tun, getan).

da: fro( h), Bethania

bald: falt( fällt)

gahn( gehen): an

gehaft( geheftet): kraftgmaht: gbrocht

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