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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
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erwähnt, 1602 Elias Weißhaar aus Ochsenhausen als Prior nach St. Lambrechtund 1609 aus demselben Kloster Hieronymus Marchstaller( 1616 als Abtnach St. Paul) 77). Unter diesen Umständen dürfte in St. Lambrecht ein reger geistigerAustausch stattgefunden haben, der gewiß nicht ohne Einfluß auf die geistige und geist-liche Entwicklung des Stiftes geblieben sein konnte, wenn wir ihn im einzelnen auchnicht abwägen können. Sicher aber waren die Voraussetzungen geschaffen, aus derenBoden die Anregung für die Schaffung eines neuen Passionsspieles aufsprießen konnte,die Johannes Geiger, vielleicht schon aus seiner Heimat beeinflußt, aufgriff und in seinerPassio und dem Dialogus in epiphania domini zur Ausreifung brachte.

6. Zur Charakteristik der Passio domini

Vor allem ist festzustellen, daß die Passio domini des Johannes Geiger, wenn sieauch für das Volk bestimmt war, nicht im eigentlichen Sinne ein Volksschauspiel, son-dern höchstens volkstümlich im weiteren Sinne zu nennen ist. Sie verzichtet vor allemauf die Vorbilder, auf das Auftreten von Tod und Teufeln, die die Volksspiele sowohldes weihnachtlichen, als auch des österlichen Spielkreises beleben und von größterBühnenwirksamkeit waren und noch sind. Es mag dies auffallen und verlangt eineErklärung.

Was Johannes Geiger bewog, auf diese wichtigen Momente der Volksbeeindruckungzu verzichten, ist uns fremd geblieben, zumal wir über seinen Charakter zuwenig wissen.Von ihm selbst erfahren wir nichts darüber. Zudem steht diese Einstellung in direktemGegensatz zur Mentalität jener Tage des Teufels- und Geisterglaubens und des Hexen-spukes, die sozusagen Gemeingut des ganzen Volkes waren, in der Heimat des Ver-fassers ebenso wie in St. Lambrecht. Es dürfte wohl auf seine persönliche Abneigunggegen ein Grundübel jener Zeit, die dem Teufel zuviel Recht einräumte, zurückzuführensein oder auf die Absicht, das Volk selbst in der Gegenrichtung zu beeinflussen. Daswar vielleicht gerade in St. Lambrecht notwendig, denn hier wurden um 1600 einigeHexenprozesse durchgeführt 78). Es ist jedenfalls bezeichnend, daß Geiger es vorzog,Engel auftreten zu lassen( Nachspiel) und Zwischenaktmusik einzuschalten, was sicherberuhigender auf die Zuschauer einwirkte, als das mittelalterliche und barocke Teufels-gepolter. Selbst im Kloster geisterte" es damals, wie Petrus Weixler feststellen zu müssenglaubte 79) und etwas später soll sich Abt Johann Hofmann von Admont im Mutter-kloster mittels eines Glockenzeichens angemeldet" haben 80). Man könnte allerdingsauch daran denken, daß die Passio in der Kirche hätte aufgeführt werden können, wo

77) Lang, a. a. O., S. 158; B. Schro11, Hieronymus Marchstaller, Abt von St. Paul( Klagenfurt1891); J. Klausberger, Abt Hieronymus Marchstaller als Klosterreformator.

78) Akten im Stiftsarchiv. S. Steiermärkische Geschichtsblätter, 3. 1882, S. 129( I a), S. 130( I b,beide von 1602) und S. 134( 2 aus 1604). Ahnliches scheint auch Fritz Byloff, Das Verbrechender Zauberei( Graz 1902), S. 374, vorgeschwebt zu haben, wenn er die Teufelsgestalt der Volksschauspieleunter den Einflüssen auf den Volksglauben ersieht. Die Prozesse siehe S. 26, 27 und 29. Auch F. Riegler,Hexenprozesse( Graz 1926) S. 53 f. erwähnt die Prozesse.

79) Weixler- Zahn, S. 144 f.

80) A. a. O., S. 135, Note. Hier ist auch S. 139 ff. ein Gedicht Weixlers über die Grebenzen ab-gedruckt, der von seiner Jugend an im Zauber dieses Berges lebte. Gegen Schluß des Gedichtes stehenVerse, die nur zu verstehen sind, wenn man weiß, daß der Berg mehrere Höhlen besitzt, von denen diegrößte, das, Wilde Loch" von den Leuten als Rauchfang der Hölle bezeichnet wird( vgl. O. Wonisch,Einiges über steirische Sagen, in: Blätter für Heimatkunde, Bd. 3. 1925. S. 42 f. und in Festgabe zum40jährigen Bestandsjubiläum der Sektion St. Lambrecht des österreichischen Touristenklubs... 10. Oktober1926, S. 2 ff.). Selbst 100 Jahre später ist davon P. Oddo Koptik beeinflußt und fügt seiner HistoriaLambertina... in heroicos versus redacta( 1731, handschriftlich im Stiftsarchiv) eine Abbildung bei, aufder eine Unzahl von Teufeln im Loch des Berges verschwinden.