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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
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stand, daß Widman erst im Herbst 1604 16) nach St. Lambrecht kam und JohannesGeiger im März 1605 ebenda nachweisbar ist, läßt die Niederschrift des Passionsspielesam ehesten in dieses Jahr 1605 verlegen.

Daß unter diesen Umständen St. Lambrecht auch als Ort der Abfassung oderwenigstens der Niederschrift in Betracht gezogen werden muß, liegt auf der Hand. AndereAnhaltspunkte finden sich allerdings dafür nicht.

5. Die Zeitumstände in St. Lambrecht

Die Wirksamkeit des Johannes Geiger in St. Lambrecht fällt in eine aufgeregteZeit. Das 16. Jahrhundert war eben zu Ende gegangen, jenes 16. Jahrhundert, das wieim allgemeinen so auch in St. Lambrecht glänzend begann, sich aber in der Folge fürjedes österreichische, namentlich aber steirische Kloster verhängnisvoll auswirkte. Diereligiösen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Zeit griffen tief in das Klosterleben einund brachten so manche Abtei ins Wanken. So schüttelten diese Umstände wie ein Fieberauch das hart angeschlagene Stift St. Lambrecht.

Der letzte, noch aus dem Vollen schöpfende Abt des Stiftes war Valentin Pierer( 1518 1541). Er konnte noch Kunst und Wissenschaft in größerem Ausmaß fördern 17).Zahlreiche Kunstwerke zeugen noch heute von seiner Kunstfreudigkeit 18). Fast mit einemSchlage hörte diese auf, als der Staat unerträgliche Anforderungen an den kirchlichenBesitz stellte( Sext und Quart, 1526 und 1529). Eine Erholung aus diesen wirtschaft-lichen Schwierigkeiten war schier unmöglich und nur selten gab es in der Folgezeit Licht-blicke. Die Regierungszeit der beiden unmittelbaren Nachfolger Pierers, Thomas Wernhersund Sigmund Koglers, ging in wirtschaftlichen Sorgen auf. Dazu kam die Misere mitdem Personalstand. Die Einflüsse der Reformation machten sich hierin sehr bald fühlbar.Nur wenige Priestermönche gab es mehr, deren Zahl nicht hinreichte, die Stiftsämtermit eigenen Kräften zu besetzen. Das geistige Leben konnte sich unter solchen Um-ständen keineswegs auf der alten Stufe erhalten, ja mußte auch beim besten Willen inden Hintergrund treten. Die Stiftsschule hörte indes nie auf, für 1544 ist ein Schul-meister Hans Gruenrater und 1562 ein Thomas Pirchegker als solcher be-zeugt 19). Auch als Organist ist 1562, wahrscheinlich auch schon vorher, ein Urenkeldes bedeutenden Salzburger Musikers Paul Hofhaimer, Oswald Hofhaimer, ange-stellt. Wie sich feststellen läßt, war er noch 1574 praecipuus cantus choralis Lambertinimoderator 20). Eine gewisse geistige Regsamkeit kann man wohl während der Regierungs-zeit des Abtes Sigmund Kogler aus der Bibliothek feststellen, sodaẞ immerhin eineTradition sich auf den folgenden Abt Johann Trattner( 1562- 1591) hinüber-rettete. Die Initialen dieser Äbte: SK und ITA( Johann Trattner, Abt) ersieht manbereits an so manchen Handschrift- und Frühdruckeinbänden, oft mit Jahreszahlen ver-

16) Laut Profeßakten, Fol. 50, im StA.

17) Vgl. Weixler- Zahn, S. 68 ff.

18) O. Wonisch, Archivalische Beiträge zu den St. Lambrechter Tafelbilder- und Plastikbeständen( Graz 1938), S. 25 ff.; K. Garzarolli, Die Holzschnitte der Mariazeller Wunder( Phaidros, Folge 3,1947, S. 181 ff.); O. Wonisch, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht(= Öster-reichische Kunsttopographie XXXI), S. 47; ders., Die vorbarocke Kunstentwicklung von Mariazell( im Druck).19) Visitationsakten von 1544 und Sigmunden, Abte zu St. Lambrecht Bericht 1562", Akten imStA, lad. 96.

20) Er besaß eine Pfründe und hatte 15 Pfund Pfennige Jahrsold( StA, lad. 96, Nr. 13). Jedenfallsunterstanden ihm die Schüler, die im gleichen Jahre 1562 feststellbar sind( etlicher Edelleut Kinder undandere Knaben bis in die 10 oder mehr). Über das Zitat s. unten Anm. 23. Über seine Abkunft vgl. H. J.Moser, Paul Hofhaimer, S. 4, 5, 168.

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