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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
Entstehung
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Jahr 1600 trat er zum Katholizismus über und dürfte noch in diesem Jahre nachSt. Lambrecht gekommen sein. Hier fand er zunächst als Tischdiener im Dienste desAbtes Aufnahme im Stift. Damit trat er in den Stand der Offiziere des Abtes"( officialiscuriae abbatis) und gehörte zur Hofbeamtenschaft des Stiftes. Der Abt erkannte wohlseine Fähigkeiten und mag ihn bewogen haben, in den Orden einzutreten. Im Jahre 1602nahm er denn auch das Ordenskleid des hl. Benedikt. Nicht ohne innere Kämpfe, wieer selbst in seinem Ansuchen um Zulassung zur Ordensprofeß gesteht, verbrachte er dasProbejahr. Noch ist im Stiftsarchiv seine eigenhändig geschriebene, mit 19. Oktoberdatierte Profeẞformel erhalten. Im selben Jahre scheint Geiger auch die Priesterweiheempfangen zu haben, aber erst im März 1605 begegnen wir ihm bei der Ausübungpriesterlicher Funktionen 9). Im Jahre 1607 finden wir ihn als Ökonom auf der stiftischenHerrschaft Mariazell. 1609 erfolgte seine Berufung auf die Pfarre Neumarkt in Steier-mark, wo er durch 6 Monate die schwierige Stelle eines Vikars innehatte. Hier zeigtesich ihm gegenüber die Bevölkerung ziemlich gehässig und auch die kirchliche Ober-behörde war mit ihm nicht sehr zufrieden, da er eben erst katholisch geworden sei, zuwenigstudiert habe und auch kein guter Prediger sei. Der Abt war zwar bemüht, ihn durch-zusetzen, doch nahm er ihn schließlich, da er seiner ohnehin im Stift zur Kirche, Schulund Musik bedürftig", in dieses zurück. Bereits am 12. Oktober scheint er als Täuferin den Matriken auf. Der Katalog des P. Amilian Graff 10) führt ihn auch als Regenschorian. Im Mai 1610 wurde er zum Subprior und bereits im Sommer darauf auch zum Priorernannt, welche Stelle er noch 1612 versah. Im Oktober 1613 war er noch im Stiftund zwar wieder als Subprior. Im Jahre 1615 ging er als Schaffer und Pfarrer nachMariahof, einer Pfarre nahe dem Stifte, wo er bald darauf, am 20. Jänner 1617,40jährig starb.

Die älteren Quellen, namentlich Weixlers Chronik 1) und das Nekrologium desStiftes 12) sprechen sich sehr lobend über Johannes Geiger aus. Weixler hebt besondersseine musikalische Begabung heraus: Bonus scriba et musicus. Eine ungenannte Quellemußte auch von seiner schauspielerischen Begabung gewußt haben, doch ist nicht zuerkennen, ob es sich bloß um literarische oder auch um mimische Fähigkeiten handelte:Laudatur de peritia artis musicae et characteristicae 13). Von seiner musikalischen Tätig-keit ist nichts überliefert.

4. Zeit und Ort der Abfassung der Passio

Wie aus der Beschreibung der Handschrift hervorgeht, ist diese mit 1606 datiert.Das ist wohl als Zeit der Vollendung oder etwa der ersten Aufführung aufzufassen.Die Niederschrift der Passio fällt jedoch sicher schon spätestens in das Jahr 1605. Dasgeht, wie schon erwähnt, daraus hervor, daß Fr. Wolfgang Andreas Waschl, der denGroßteil der Handschrift und zwar wahrscheinlich bis zum Ende schrieb, schon am8. Jänner 1606 starb 14). Auch der zweite Helfer im Niederschreiben der Passio, LaurenzWidman, starb bereits in diesem Jahr, allerdings erst am 24. Dezember 15). Der Um-9) In den Matriken der Pfarre St. Lambrecht.

10) S. 1, Anm. 3.

11) Fol. 284 im StA. Vgl. J. Zahn, Peter Weixlers Chronik des Stiftes St. Lambrecht, in Steier-märkische Geschichtsblätter, 6. 1885. S. 151.( Weixler- Zahn)

12) Pangerl, a. a. O., S. 33: Obiit reverendus dominus Joannes Geiger, professus et presbiterhuius loci, von Dinkelspil gebirtig, 1617.

13) Nach P. Norbert Zechner, Alphabetisches Verzeichnis der Stiftsmitglieder von 1600 an.Handschriftlich im StA.

14) Panger1, a. a. O., S. 23.

15) A. a. O., S. 224.

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