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Das St. Lambrechter Passionsspiel von 1606 : Passio Domini und Dialogus in Epiphania Domini des Johannes Geiger
Entstehung
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VORWORT

Als ich im Jahre 1909 in Metnitz( Kärnten) anläßlich der damaligen Passions-aufführung mit J. R. Bünker zusammentraf, machte ich ihn auf die in St. Lambrechtbefindliche handschriftliche Passio domini des Johannes Geiger aufmerksam. Das Stückwar allerdings schon 1892 von dem St. Lambrechter Stiftspriester P. Bruno Quitt demsich auf das Lehramt an Mittelschulen vorbereitenden, späteren Professor Dr. JohannRanftl zur Bearbeitung bzw. Veröffentlichung übergeben worden. Professor Seuffert hättedie Drucklegung der Passio sehr gerne gesehen, doch unterblieb sie und das Manuskriptschlief im Stifte einen Dornröschenschlaf, bis Bünker es wieder erweckte, wodurch diePassio den Weg in die Öffentlichkeit beschritt. 1916 machte Polheim in den Sitzungs-berichten der Akademie der Wissenschaften in Wien( Nr. XVI, S. 97) auf das Spielaufmerksam. Ich befaßte mich dann mehr aus praktischen Gründen damit, weil ichbeabsichtigte, das Spiel zu aktivieren. Später beredete mich Professor Dr. Wilhelm Kosch,die Passio herauszugeben. Ich stellte ihm eine Abschrift des V. Aktes für seine Zeitschrift Der Wächter" zur Verfügung, die in ihrem Jahrgang 1921 einen Abdruck brachte.Im Jahre 1922 konnte ich das ganze Spiel in der von Kosch herausgegebenen Romanti-schen Bücherei" samt einer Einleitung unterbringen. Doch der Zusammenbruch der Ver-lagsfirma verhinderte das Erscheinen des Buches, das bis zum Imprimatur gediehen war.Die zweite Korrektur befindet sich in meinem Besitze. Der Titel dieses Unikums ist: DiePassio domini des Johannes Geiger( 1606). Herausgegeben von P. Othmar Wonisch,O. S. B., 80, 112 Seiten. München 1922. Das Buch hatte ich dem am 10. April 1922verstorbenen Abt des Stiftes St. Lambrecht, Severin Kalcher, in dankbarer Erinnerunggewidmet.

Im Jahre 1938 bot mir der jetzige Professor Dr. Leopold Schmidt in Wien die vonihm geplante Schriftenreihe Deutsches Volksschauspiel" für die Publikation des Spielesan. Aber verschiedener Umstände halber unterblieb die Drucklegung abermals. 1946 be-gann sich Dr. Leopold Kretzenbacher für die Passio zu interessieren( Blätter f. Heimat-kunde, Bd. 20, 1946, S. 23), was meiner Absicht, sie zu veröffentlichen, neuen Auftriebgab. Ich stellte den Text druckfertig her und versah ihn mit der nun vorliegendenEinleitung.

Im Anhang kommt auch Geigers Dreikönigsspiel Dialogus in Epiphania domini"zum Abdruck, womit nun beide Werke Geigers der Öffentlichkeit zugänglich gemachtwerden. Beide Spiele gehören zur Gattung der Renaissancespiele, denen ein wichtigerPlatz in der Entwicklung der geistlichen Schauspiele zukommt. Leopold Schmidt stelltbetreffs des Passionsspieles neuerdings fest: Es ist abermals nicht zu glauben, daß derText seit Jahrzehnten bekannt, aber dennoch nicht veröffentlicht ist" ¹). Nunc habetis,amici!

Daß diese Arbeit nun endlich doch vorliegt, verdanke ich neben dem Herausgeberdieser Schriftenreihe, Prof. Schmidt, der finanziellen Hilfe seitens des Abtes WilhelmBlaindorfer von St. Lambrecht und der Steiermärkischen Landesregierung, wofürder geziemende Dank abgestattet sei.

Es diene noch zur Kenntnis, daß ich während der Drucklegung dieses Buches eineStudie über das gesamte Theaterwesen im Stifte St. Lambrecht einschließlich der beson-deren Verhältnisse im Wallfahrtsort Mariazell verfaßt habe, die nun als Beiheft zur,, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark" erscheinen wird.

P. Othmar Wonisch

1) Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes, Bd. II, Wien 1953, S. 126. Vgl. auch Volk undVolkstum. Jahrbuch für Volkskunde, Bd. III, München 1938, S. 213.

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