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Internationale volkskundliche Bibliographie : Systematik und Datenbanken ; Papiere der 5. Tagung der Arbeitsgruppe für die Internationale Volkskundliche Bibliographie (IVB) vom 8. bis 10. September 1994 in Petronell-Carnuntum (Niederösterreich) und Kittsee (Burgenland)
Entstehung
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Treffen waren 30 IVB- Mitarbeiter aus 12 Ländern erschienen. Als Doku-ment dieser Tagung, in der ich als Pragmatiker- ähnlich meinen Vorgän-gern- versuchte, möglichst viel der ,, gewachsenen" Systematikstruktur zuretten, sind die von Klaus Beitl( Wien) erstellten ,, Protokoll- Notizen" zuerwähnen, die allein 22 Vorschläge zur Fortschreibung und Neugliederungverzeichnen. Diese Vorschläge waren ad hoc vorgetragen worden, als diealte Systematik Punkt für Punkt durchleuchtet wurde.

Nicht deutlich erkennbar in den ,, Notizen" Beitls: der erste ,, Krach"innerhalb der Arbeitsgruppe. Kolleginnen und Kollegen aus West- Deutsch-land hatten anhand der Überschrift des Kapitels VIII( damals: Tracht,Schmuck) die Kanon- Diskussion der endsechziger Jahre wieder entfacht.Am Beispiel der ,, Tracht" wurde ausdauernd über die Verwendbarkeit dieserBezeichnung für regionale Kleidungsformen gestritten. Zum Verdruß ver-schiedener Vertreter anderer europäischer Länder( Polen, Norwegen, Belgi-en), die zu erkennen gaben, daß sie nicht bereit waren, die bundesrepubli-kanische Folklorismus- Debatte nachzuvollziehen. Als dennoch ein termino-logischer Purismusstreit ausbrach, den wir zur Genüge aus der deutschenMuseumslandschaft kennen( dort werden miẞbeliebige Benennungen ver-boten: Tracht, Volkskunst, Heimatmuseum, Kitsch usw.), drohten einigeEuropäer, die Arbeitsgruppe zu verlassen. Gerettet wurde die weitere Zu-sammenarbeit durch den Vorschlag, einzelne Teile der Systematik jeweilsSpezialisten unseres Faches zur Überarbeitung und Neugliederung anzuver-trauen und sich so für die 1991 in Neusiedl( Österreich) geplante 2. Sitzungder Arbeitsgruppe vorzubereiten. Klargeworden war vielen Teilnehmern derersten Diskussion, daß in Zukunft keine nationale Ethnologie die Inhalte derSystematik dominierend vorgeben dürfe, wenn das internationale Zusam-menspiel nicht gefährdet werden solle.

Zu erwähnen ist jedoch auch eine Empfehlung zur Gliederung, die trotzKonsenses nicht realisiert wurde. Die österreichischen Vertreter hattenunter Zustimmung der gesamten Arbeitsgruppe- unter dem Eindruck derdamaligen Entwicklung im Balkan und in Osteuropa vorgeschlagen, dieGliederung nach Sprachen in den betreffenden Kapiteln aufzugeben. An ihreStelle solle eine stärker kulturraumbezogene regionale Schlüsselung treten.Dieser Vorschlag vom Frühjahr 1990 wurde durch die kurz darauf beginnen-de faktische Aggressivität ethnisch( und damit auch auf Basis von ,, Spra-chen") argumentierender Bevölkerungsgruppen in Südosteuropa und an-derswo ad absurdum geführt. 13

Die zweite Tagung der IVB- Mitarbeiter im Frühjahr 1991 in Österreichschien zu einer friedlichen Übereinstimmung zu führen, die Systematik nur

13 Abgedruckt in: Volkskundliche Bibliographien. Spiegel der Wissenschaft Volks-kunde/ Europäische Ethnologie. Hg. Klaus Beitl und Eva Kausel. Wien, 1991.

S. 26.

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