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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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für ein vorwiegend mohammedanisches Glossar ::: zum Glossareintrag  mohammedanisches Dorf in der Gegend des Prespa- Seesaus: hier gürten Christen und Muslimanen die Kirche des hl. Nikolaus mitWachslichtschnüren; die Christen jedoch nur zweimal im Jahr und zwar amFrühlings- und am Wintertermin des orthodoxen Nikolaus- Kalenderfestes;übrigens auch das nur in der Absicht auf Wünsche, die den Menschen selberbetreffen. Die Mohammedaner Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohammedaner hingegen gürten die christliche Kirche meistan Freitagen vor Sonnenaufgang, seltener im Morgengrauen des Bajrams-oder des Ramasan- Festes. Sie führen auch das kranke Vieh, Rinder undPferde vor allem, mit sich und treiben z. B. eine kranke oder, verhexte"Kuh dreimal um die christliche Kirche. Erst dann gürten sie das( christliche!)Gotteshaus dreimal mit einem Kerzenfaden und murmeln dazu besonderemohammedanische Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanische Gebete, die jedoch geheim gehalten werden ¹16).

Die Ausdeutungen freilich, die der serbische Volkskundler in seinemmaterialreichen Aufsatze für das Gürten mit Leinwand und Kerzen( in un-paariger Zahl) findet, sind sehr willkürlich. Es führt uns in der Frage nachdem Sinn der Gürtung nicht weiter, wenn er in der Leinwand, von dergelegentlich hundert und mehr Meter verspannt werden( und dies zweifellosals Opfergabe) ein Symbol für den Weg zur Erlösung, zum Paradies, zuGott" sieht und in der Kerze mit ihrem Lichtschein den ,, Weggeleiter" dort-hin. Desgleichen dürfte es rein oberschichtliche Spekulation sein, wenn Rusićannimmt, die einfache Gürtung sei ein Sinnbild für den einen, einzigen Gott,die dreimalige eine Gabe an die Dreifaltigkeit. Für die fünf- bis neunfachehingegen fehle es an Nachrichten, weshalb sich der Verfasser leider aufsRaten verlegt und annimmt, die Fünf bedeute einen Rest des alten Volks-glaubens an die Sonne, den Mond und die ersten bekannten Planeten alsHauptgottheiten", was ihm aber schon selber sehr zweifelhaft vorkommt ¹17).Hier sind uns des Verfassers Angaben wesentlich wichtiger, in denen er vonder ,, Gürtung der Toten"( opasivanje mrtvaca) spricht. Damit bestä-tigt er jene Mitteilungen für den Bereich von Prilep, die P. Ž. Petrovič fürdas nahe gelegene Kruševo beigebracht hatte 118).

Darnach kaufen die Frauen sofort nach dem Tode eines Menschen eineetwa vier Meter lange Wachslichtschnur, mit der sie den Aufgebahrten inwaagrechter Lage von den Füßen rechtsherum über Schultern und Hauptbis zu den Füßen zurück umgürten". Die Dochtenden aber verknoten sienicht, sondern legen sie übers Kreuz. Hernach nehmen sie ein Stück selbst-gefertigter, ungefärbter koprina( eine Art Seidenfaden). Damit wird derTote um die Mitte gegürtet. Doch ist dieser Brauch der Seidenfadengürtungeines Toten nur noch selten nachzuweisen. Immerhin ist die Wachslicht- oderSeidenfadengürtung eines Leichnams in diesem serbisch- makedonischenGrenzraume eine nicht unwesentliche Sonderart des Gürteritus und alssolche von den Kirchengürtungen nicht zu trennen, auch wenn hier gewißaußerdem noch ein anderer Gedanke, nämlich jener der Verhinderung desunerwünschten Wiederkehrens dieses Toten mitspielt. Es würde den Rahmendieser Arbeit vollends sprengen, wollten wir hier den Vorstellungen überbalkanisches Totenrecht nachgehen, das sich in ganz wesentlichen Anschau-ungen mit denen des germanischen vergleichen läßt 119). Wir kehren alsowieder zu den Gürtungen, die an einem ausgesprochenen Kultobjekt vor-genommen werden und von denen wir ausgegangen waren, zurück.

Neben den oben genannten, sehr eigenartigen zentralbalkanischen, bis indie unmittelbare Gegenwart nachweisbaren Kirchengürtungen und verein-

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