legen und sie in der Nacht abbrennen zu lassen, im südostserbischen Raumevon Niš, Prokuplje und Leskovac bekannt sei. Das Landvolk nenntdiesen Ritus das„ Bekränzen der Kirche"( venčanje crkve), den Wachsfadenselber„ venčilo" im gleichen Sinne von„ Krone, Kranz", wie man sie denJungvermählten bei der Hochzeit aufs Haupt setze 107). Der sonst üblicheAusdruck„ Umgürten"( opasivanje) wird auch gebraucht, wenn sich ein Dorfbei einer Krankheit mit einer einzelnen Ackerfurche umgibt( Umpflügen,oboravanje sela) oder wenn durch solch eine symbolische Hegung der Platzfür eine neue Ansiedlung abgegrenzt wird 107a).
Als gegenwärtig ist dieser Brauch der Kirchen- und Klostergürtung mitselbstgewebter Leinwand oder mit Wachslichtschnüren insbesondere durchMütter, denen die Kinder wegsterben, oder durch unfruchtbare Frauen auchin der Umgebung von Valjevo an der Kolubara in Nordwestserbienbelegt 108). Eine Sonderform besteht hier insoferne, als man die Kirche nichtin der Waagrechten über dem Boden, sondern querüber vom Erdboden überdas Dach gürtet, wenn man seine Kinder vor dem Tode bewahren will. Er-sehnt man sich jedoch überhaupt erst Nachkommenschaft, so erfolgt diewaagrechte Gürtung; hier jedenfalls nur mit Leinwand und Wachslicht-schnüren, die man dann der Kirche spendet. In der ersten Art war um 1900das Kloster Bogovadja( Bezirk Valjevo) mit Leinwand quer über dasDach gegürtet. Eine Frau, die Mann und Kinder durch den Tod verlorenhatte, hinterließ ihrer Schwiegertochter auf dem Sterbebette Gut und Auf-trag( amanet), die Kirche im Städtchen Mionica( östlich Valjevo) zugürten. Diese aber führte den Auftrag nicht aus. So starben auch ihr nachkurzer Zeit drei Kinder und Enkel und noch heute( 1932) soll sie über diesenVerlust, den sie durch das Nichteinhalten des Votivauftrages verschuldetsieht, trauern. Übrigens war diese Kirche zu Mionica auch um 1856 von einerKinderlosen gegürtet gewesen.
Im Süden dieses bisher durchwanderten Gebietes, in der Gegend vonPožega im Bezirk Užice( Nordwestserbien) hatten zwei unfruchtbareFrauen, zwei Schwägerinnen, nächtlicherweile ihre Dorfkirche mit Leinwandgegürtet, die aus vier Stücken zusammengenäht war. Hier begann man vorden Augen des Volkes beim Westeingang und ging rechtsherum um dieKirche. Doch blieb das Gotteshaus nur eine halbe Stunde gegürtet. Dannnahm der Kirchendiener die Leinwand ab. Wie in den anderen Fällen wurdeauch sie später zum Nutzen der Kirche verkauft 109).
Auch hier wie aus den meisten der früheren Mitteilungen wird der aus-gesprochene Votivcharakter der Gürtung mit diesem„ vergänglichen" Mate-rial der Leinwand oder des Wachslichtes deutlich. Bezeichnend für das eigen-artige Ineinander der einzelnen Glaubensgemeinschaften im zentralbalkani-schen Raume ist es, wenn z. B. die Mohammedanerinnen Glossar ::: zum Glossareintrag Mohammedanerinnen aus Mrkojevičin der Crmnica, einem fruchtbaren Landstrich Montenegros nahe demSkutari- See, an einem christlich- orthodoxen Feiertage mit einem Faden dieKirche des Sv. Ilija( St. Elias) zu Pečurice gürten. Mit dem gleichenFaden umwinden sie dann einen Kranken oder dessen kranken Körperteil,seinen Kopf, seine Hand, seinen Fuß und dergleichen 110). Umgekehrt um-winden die Christen den Kranken oder dessen leidenden Körperteil miteiner Wachslichtschnur oder einem langen roten(!) Faden, den sie in derWallfahrtskirche zu Vrnjača am Ibar in Südserbien später verbrennen 111).
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