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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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erfahren, daß es der Brauch unfruchtbarer Frauen sei, diese Kirche aufzu-suchen, sie mit Wachsstock zu gürten und diesen Gürtel noch vor Tag abzu-nehmen. Das gleiche soll auch beim berühmten Kloster des hl. Naum amOhrida- See der Fall sein, eine Nachricht, die später vielfach belegt wurde 103).Des weiteren wußte Petrovič auch von solchen Kirchengürtungen in Bosnienzu erzählen, leider ohne genaue Ortshinweise. Meine persönlichen Umfragenblieben bisher für Bosnien ergebnislos.

Bedeutsam ist in diesem Zusammenhange die Beobachtung des derzeitigenBelgrader Ordinarius für Ethnographie, Prof. Borivoje Drobnjaković,daß eine Mutter aus Klubac am Jadar( Nordwestserbien) nach demTode ihrer Tochter, die vor ihrer Vermählung gestanden war, Leinwand vonderen Mitgift nimmt, sie zum nahen Kloster Tronoša( Bezirk Loznica)trägt und damit die ganze Klostermauer gewöhnlich an einem der großenNamenstage"( o velikim godovima") für die Seele"( pre dušu") der Ver-storbenen gürtet! Am Abend wird die Leinwand wieder abgenommen undder Kirche geopfert 104). In gleicher Absicht für die Seele" ihres Sohnes hattees auch die Mutter bei der Kirche zu Svetanovac getan, hier ebenfalls mitLeinwand, die jene Mutter bei Nacht vom Kircheneingang rechts herumgehend aufspannte. Mit Recht stellt Petrović auch den serbischen Brauch derWachsfadengürtung eines Totensarges hieher, den er 1928 imDorfe Vučin bei Kruševo in der heutigen Volksrepublik Makedonienbeobachtet hatte. Darüber aber noch später des Näheren.

Immerhin zog diese erste Mitteilung über die Kirchengürtungen in Ser-bien, die 1932 in der Publikationsreihe des Belgrader EthnographischenMuseums erschienen war, eine Reihe von meist nur kleinen Mitteilungennach sich, die im Folgejahr 1933 erschienen, vorerst noch ohne den Versucheiner Erklärung durch einen weiter überschauenden Ausgriff 105).

Auch die neuen Mitteilungen über das Umgürten von Kirchen, Klösternund Kranken(!) zeigen die Gegenwartsverbreitung des Brauches in Nord-westserbien und im Südwesten Makedoniens, wo er von Orthodoxen, Katho-liken und Mohammedanern Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohammedanern an christlichen Kultstätten in der Absicht aufdevotio und Erlangung eines bestimmten Zweckes geübt wird. Im einzelnenseien daraus folgende Sonderformen des kirchlichen Gürteritus vermerkt:

Unfruchtbare Frauen besuchen das Mausoleum( turbe, ein türkischesWort für Mausoleum, Grabmal) des Schech Hussein zu Prizren. Sie ver-neigen sich dort, das Gesicht nach Osten gewendet. Den erhöhten und miteiner Mauer umgebenen Platz aber, der als heilig gilt, umwinden sie miteinem Woll faden. Aus dem flechten sie hernach einen Gürtel, den sie imGlauben tragen, daß er ihnen Fruchtbarkeit des Leibes verleihen werde.Gleiches ist bei den orthodoxen Serbinnen in der Umgebung von Prizrenund Kačanik( nordwestlich von Skoplje in Makedonien) der Brauch. Auchsie gürten sich mit dem Faden, mit dem sie in der Hoffnung auf Leibes-frucht alte Kirchen, außerdem aber auch, wie mir aus Eigenabfragungenbekannt wurde, wundertätige Ikonen umgürtet hatten 106).

Im Jahre 1932 sollte der Metropolit Dositije eine Kirche im DorfeKaludra in der Gegend von Prokuplje( westlich Niš in Südserbien)weihen. Auch sie war mit einer, weißen Schnur"( belim gajtanom) umgürtetgewesen, über deren Sinn selbst der dortige Pope seinem hohen kirchlichenVorgesetzten keine Auskunft geben wollte. Von anderer Seite aber wirdbestätigt, daß der Brauch, solche Wachsfäden( voštanice) um die Kirchen zu

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