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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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der türkischen Gefangenschaft zu ewigem Andenken seiner Befreiung selbsteine Kette schmiedete und damit die hier befindliche, dem hl. Leonhardgeweihte Kapelle umzog. Vor einigen Jahrzehnten wurde die Kirchenketteihrem Zwecke entzogen" 52). Die Ketten von Remschenigg in Unterkärntensollen aus den Zäumen der dort verunglückten Türkenrosse verfertigt wor-den sein 53).

Doch nun genug der Sagenbeispiele, die sich auch noch aus anderen vonden Türken verheerten Ländern vermehren ließen. Gelegentlich, wie z. B. inBayern, ist es auch ein Fuhrmann, der nach Anruf des hl. Leonhard ausLebensgefahr errettet solch eine Kette stiftete 54). Auch in Südtirol erzähltman vom Wachsen solcher Ketten dadurch, daß man immer wieder die vonFuhrleuten und Säumern geopferten Hufeisen zusammenschmiedete oderdie Ringvotive wandernder Schmiedegesellen hinzufügte 55). Die Kirchen-kette von Hopfgarten in Tirol soll nach einem Pestvotum der Gemeindegeschmiedet worden sein 56). Jene zu Leogang in Salzburg sei nach der Sageaus den Kinnhaken geheilter Pferde verfertigt worden. Andere sagen, siesei die Votivgabe der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber, die sich dazu verlobten, falls die Männerwieder aus dem Kriege heimkehrten; alle seien wiedergekommen, nur einernicht; dessen Frau hatte das Gelübde verschmäht und war also dafür be-straft worden 57).

Auf jeden Fall bringt das Volk die Ketten bei uns mit den Türken odermit Rossen, gelegentlich mit beiden in Verbindung. Bei datierten Fällen wirdimmer der Ausgang des 15. Jahrhunderts genannt. Das aber deckt sichgenau mit dem ältesten überhaupt bekannten Bildzeugnisse einer ketten-umgürteten Leonhardskirche in der Nürnberger Ausgabe der Legendaaurea" des Jacobus de Voragine vom Jahre 1488. St. Leonhard und einzweiter Mönch stehen in der Bildmitte vor einem Reiterpaare, nach der Le-gende sicher vor König Chlodwig und seiner Gemahlin, die auf der Jagdplötzlich von Geburtswehen überfallen worden war und dann auf das Gebetdes hl. Leonhard hin eines gesunden Knaben genas. Im Hintergrunde linkssteht eine Kapelle, die unverkennbar mit Ketten umspannt ist. Bauernbringen( links im Bilde) Opferketten dorthin 58).

III.

Leonhardlegende, Patronate und Kettendeutungen

Das 15. Jahrhundert, das uns also das erste Bildzeugnis einer ketten-gegürteten Leonhardskirche bewahrt, scheint überhaupt das wichtigste inder geschichtlichen Entwicklung des Leonhardskultes zu sein. Es bringt imWiederaufleben des seit dem 11. Jahrhundert bestehenden Gefangenenlöse-patronates dieses alten Eisenheiligen" nun während der Nöte der Türken-zeit vor allem auch die entscheidende Verbindung mit dem neu aufkom-menden Viehpatronat, das allein aus seinem Kettenattribut entstanden seindürfte.

Die kirchliche Legende des Heiligen, aus der allein dieser unglaublichintensive Kult im süddeutsch- bajuwarisch- alemannischen Raume der Ost-alpenländer nicht erklärt werden könnte, bietet auch für die Entstehung desKettenbrauches nur sehr wenig Anhaltspunkte. Leonhard, dessen fran-zösischer Name Lienard mit französisch lier= ,, fesseln, Binden", lien

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