Schwaben( Württemberg, Baden) hat in seinen katholischen Bereichenebenfalls noch einige Kettenkirchen unseres Heiligen. So z. B. in La up-heim 37), in Hüfingen bei Donaueschingen( Friedhofs-kapelle) 38), in Lauingen und in Germersbach bei Weins-berg 39).
II.
dol Die Ketten um die Wallfahrtskirche von St. Leonhard im Lavanttalehängen in ihrer heutigen Gestalt erst seit den Jahren 1910/12 an den Außen-wänden des berühmten Gotteshauses, dessen Geschichte ins 12. Jahrhundertzurückreicht. Sie wurden als ein Geschenk des Kunsthistorikers Prof. A.Schnerich neu verspannt. Er knüpfte damit an eine Tradition an, die min-destens seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bestanden hatte. Erst zur Zeit derAufklärung war sie gegen den Willen des gläubigen Volkes mit Gewaltunterbrochen worden. Heute noch zeigt dort ein Votivbild aus dem Jahre1669 die Kirche mit ihrem alten Turm und von einer doppelten Kette um-spannt 40). Die Sage will darüber wissen, daß die Türken bei einem ihrervielen Einfälle ins Lavanttal im späteren 15. Jahrhundert neben anderenUnglücklichen auch einen steirischen Bauern aus der Obdacher Gegend ge-fangen genommen hätten, der in seiner Not gelobte, dem hl. Leonhard, demgroßen„ bantlöser", wie ihn das 15. Jahrhundert nannte, die ganze Kirche imFalle der Errettung mit einer Kette zu umspannen 41). Dieser sagenhafteAnlaß zur Kettenstiftung wurde 1827 sogar in Gedichtform von einem un-bekannten Autor im Aufmerksamen" veröffentlicht 42). Inwieweit der Schlußjener Versdichtung, demzufolge der Votant jeden seiner Nachfolger auf demHofe verpflichtete, die Kette um ein Glied zu verlängern( so daß sie sich vorder Abnahme schon zweimal um die Kirche wand), tatsächlich volkstümlicherÜberlieferung entspringt, was durchaus möglich wäre, oder doch der dichte-rischen Eingebung entsprang, sei dahin gestellt. Daß es zwei- und mehrfacheKettengürtungen an Leonhardskirchen gab, steht fest. So lag die volkstüm-liche Vorstellung, daß sie durch Zugaben Glied für Glied aus den Gaben derVotanten wachse, nahe und konnte sich leicht mit dem Terminmotiv ver-binden, daß die Türken wiederkämen, wenn die Kette dereinst dreimal dasLavanttaler Leonhardiheiligtum umschließen würde 43).
Auf jeden Fall fielen hier die Ketten um die Wende des 18. Jahrhun-derts jenen Bestrebungen der Aufklärung zum Opfer, die sich die„ Reini-gung" der Kirchen von allen„ Absonderlichkeiten" zur Aufgabe gestellthatten. Dazu gehörten nach dem Urteile der josephinischen Behörden nichtnur Stoffbekleidungen der Gnadenbilder, die Reliquienschreine und dieRequisiten geistlicher Volksschauspiele, sondern auch die unverstandenenKetten um die Leonhardskirchen. Daß sich das ganze Volk auch hierin wiebei den strengen Bestimmungen gegen das Christi- Leiden- Spiel und dieanderen Formen des geistlichen Spielbrauches, wie bei den Wallfahrts-beschränkungen und den Verboten liebgewordener Nachtandachten und der-gleichen Kultübungen nicht im Äußerlichen bevormundet, sondern vielmehrgerade in seinen religiösen Überzeugungen getroffen fühlte, zeigen gleich-falls wieder die Sagen, die sich an diese Kettenspoliation der Kirchenknüpften. Die Pferde, mit denen man das„ geraubte" Kirchengut zum Eisen-hammer führte, seien bald darauf eingegangen; im Schmelzofen, in den mandie Kettenglieder und die eisernen Opferfiguren geworfen hatte, hätten diesesich„ aufgebäumt" und wären umhergesprungen, als ob sie lebendig gewesen
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