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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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hörigen Weiler Jedersdorf bilden, war soeben das Schweineschlachten vor-über, als zufällig die Nachbarschaft dorthin zu Besuch kam. Sie wußte zuvornichts von der Schlachtung und sprach ahnungslos von den Schwierigkeitendes Sauschädelstehlens. Erst während des Gespräches erfuhren die Nachbarn,daß hier soeben ein Schwein geschlachtet worden war. Darauf faßte eine derFrauen sofort den Plan, selbst diese Scherzsitte zu üben. Unter dem Vor-wande, rasch nach Hause gehen zu müssen, machte sie die gebräuchliche Be-sichtigung des Stalles durch die Nachbarschaft nicht mit, stahl den Sau-schädel, der gleich den übrigen Schweinsteilen im sogenannten Fleischkammerlim ersten Stockwerke lag, und begab sich eilends auf den Heimweg. Niemandin der Runde vermutete in ihr die Diebin und verdächtigte vielmehr derenjungverheiratete Tochter, die aber gar nicht in den Bauernhof gekommenwar. Immerhin war letztere dabei, als ihre Mutter den gestohlenen Schweins-kopf zu Bratwürsten verarbeitete, die sie sodann auf ein Brett legte undschließlich die zum Braten und Essen der Würste gebräuchlichen Zutaten aufdem Brette garnierte, nämlich Schweinefett in Rosenform modelliert", eineSchüssel mit Kartoffelsalat, Salz und Schwarzbrotstücken. Obenauf lag über-dies ein Zettel, auf dem die Schwester 25) der Diebin ein von ihr verfaßtesGedicht über das Schicksal dieses Schweinskopfes geschrieben hatte; dies istbei derartigen Vorfällen sonst nicht üblich. Die davon verständigte Nachbar-schaft begleitete die Diebin mit dem so beladenen Brette in das Bauern-gehöft zu Jedersdorf, wo der Sauschädel entwendet worden war. Unterlautem Gelächter der Hausbewohner von Jedersdorf und der Nachbarschaftnahm die Bäuerin dieses Gehöftes den ihr gehörigen Sauschädel in ver-änderter Gestalt samt Beigaben in Empfang, briet die Würste und setzte siesodann nebst Obstwein und hausgebranntem Schnaps den Nachbarn und deneigenen Hausgenossen vor.

Erst durch das Vorlesen des Gedichtes erfuhr sie, wer den Sauschädelaus ihrem Fleischkammerl geholt hatte.

Das Gedicht, in dem der Schweinskopf Sprecher ist, lautet:

Nach fünf Tagen auf der Reise

Kehre ich erholt zurück als Speise.

Wie es mir erging, fragt mich nur nicht,

Denn da war ich wahrlich ein armer Wicht.

Ich wußte nicht woher, wohin,

Bis ich erreichte, was ich jetzt bin.

Einen Vorteil hab ich nur,

Daf vollendet meine Kur

Und ich meinem Ziele nicht allein

Zustreben darf das ist fein!

Ich bringe mit zu meiner Freud',

Meinen Reisegefährten vielleicht zum Leid

Brot, Gemüse, Salat und Schmalz;

Bald hätt' ich vergessen auf das Salz.

Nun laẞt mich bitte nicht mehr lange leiden,

Ich will um keinen Preis auf der Welt mehr bleiben!

Mein Entführer ließ mich im Stich,

Darum die Bitte: nehmet mich!

Euer in Reue zurückgekehrter Sauschädel, leider ohne Knochen."

Die Verse sind deshalb lehrreich, weil sie uns das Einfühlen in die nüch-terne, reale Denkungsart und den Humor der dortigen Bauernschaft ermög-lichen und zugleich die bäuerliche Vorliebe für Würste zeigen.

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