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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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sah man in Schruns die ersten Weihnachtsbäume und sie standen in denwohlhabenden Häusern des Fabrikanten Mossbrugger und der weit-berühmten Kronenwirtin, der alten Frau Mayer, die mehr als ein Mannwar". Äpfel und Kerzen zierten die ersten Bäume, der farbige Glasschmuckgehört einer späteren Zeit an. Ein sehr frühes Zeugnis ist uns erhalten ineinem Brief des Sammlers der Vorarlberger Volkssagen und Montafoner,, Standesarztes" in Schruns, Dr. Franz Josef Vonbun, an seine Braut LukretiaWolfinger in Feldkirch vom Jänner 1851: Am heiligen Abend hatte ich einenChristbaum aufgerichtet, zu dem ich die Kinder meiner Nachbarschaft, denBürgermeister mit Frau, einige Beamte hiesigen Gerichts etc. einlud. Es gingsehr gemütlich zu bis 12 Uhr." Es handelte sich also um eine seltene Sehens-würdigkeit.

Wie anderwärts in katholischen Ländern, besonders jenseits des Bren-ners, ist auch bei uns die Krippe das ältere Weihnachtssymbol. Auf einemTischlein im Winkel der Stube wurde und wird sie aufgebaut mit Figuren,die Bildschnitzer aus dem südtirolischen Grödental bis etwa um 1900 hausie-rend ins Land brachten. Franz Wachter erzählt noch von dem GrödnerComploi, der in Tschagguns einen Verkaufsstand hatte und bei Wachternächtigte.

Ehe man sich zum Gang in die heilig Nacht", in die Mette, rüstete, gabes daheim Kaffee, Birnenzelten und Butter. Ein Franzos", der als Maureroder Stukkateur nach Frankreich gegangen war, oder ein ernsthafter Hen-gertbub( der zu Heimgarten" kommen durfte), spendierte vielleicht aucheinen Liter Roten. Schon um elf kündet die Mette das ,, Freudläuten" an,das früher eine volle Stunde dauerte. Auf Bartholomäberg läuteten sieletztes Jahr eine halbe Stunde lang. In Schruns und auch in anderen Ge-meinden spielt die Musik um elf und beim Zusammenläuten auf einer Berg-höhe das Lied Stille Nacht". In der Mette, nach der Kommunion und amSchluß wurde das Lied auch von der Gemeinde gesungen. Andere Weih-nachtslieder sind im Montafon wohl erst in den letzten Jahren bekanntergeworden.

Viele Wunder hat die heilige Nacht für den Hellsichtigen undFrommen. Von der Redegabe der Tiere oder vom unsichtbar machendenWeihnachtsfarn erzählt man. Der Weihnachtsstock", der das Jahr über un-scheinbar ist, treibt zu den heiligen Tagen feine weiße Blüten. Von manchemBauern noch heute sorgsam beachtet ist das Orakel der Getreidesaat in der heiligen Stund", während des Freudläutens. Von allen Kornarten, die maufür das nächste Jahr anzubauen gedenkt, sät man in ein hölzernes Geschirr.Welche Saat zuerst errinnt", aufkeimt, die wird am besten geraten. Aberauch gleichmäßig und dicht aufgehen soll die Saat. Man kann sonst wohleinen Bauern sagen hören: Ds Wiahnachtskara ischt net guat gsi, as ischtnäsa dünn erronna."." Noch andere Vorzeichen gibt die heilige Nacht demAckersmann: Ein großer Mond in der heiligen Nacht tut auf gutes Grummetlosen." Weitherum bekannt ist der Spruch:

Weihnachten im Schnee.Ostern im Klee.Weihnachten im Klee,Ostern im Schnee.

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